Polit-Comics : Wonder Womans starke Schwestern

Superhelden waren gestern: In US-Comics spielen immer öfter Politikerinnen die Hauptrolle. Jetzt gibt es auch eine gezeichnet Biografie von Michelle Obama

Lars von Törne
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Polit-Amazone. Möchtegern-Vizepräsidentin Sarah Palin in einem Comic, der sich - wer hätte es geahnt - vornehmlich an junge...Illustration: Devil's Due

Als Vizepräsidentschaftskandidatin ist sie grandios gescheitert, doch in einem anderen Metier hat es Sarah Palin dafür jetzt an die Spitze geschafft. Eine Comicbiografie der Gouverneurin von Alaska ist in den USA zu einem unerwarteten Bestseller avanciert. Die ersten zwei Auflagen des bunten Heftchens sind bereits ausverkauft, meldet der US-Verlag Bluewater, weitere sind in Vorbereitung.

Das illustriert einen neuen Trend in der Welt der amerikanischen Mainstreamcomics: In der sonst von maskulinen Superhelden dominierten Branche haben politische Themen Konjunktur, in denen bemerkenswert oft weibliche Heldinnen im Mittelpunkt stehen. Das hat indirekt auch etwas mit Barack Obama zu tun. Bislang mehr als ein Dutzend Comic-Hefte und Büchlein sind in den vergangenen Monaten erschienen, die die Biografie des neuen US-Präsidenten als Bildgeschichte erzählen oder ihn in gezeichneten Fantasiewelten auftreten lassen. Ein Spider-Man-Heft mit Obama auf dem Cover ist bereits in der fünften Auflage nachgedruckt worden. Mehr dazu unter diesem Link.

Ein neues Subgenre entsteht - mit teils dürftigen Inhalten

Jetzt kommen die starken Frauen. Neben der Comicbiografie von Sarah Palin, der wohl berühmtesten Hockey-Mum und Freizeitjägerin der Welt, hat der Bluewater-Verlag kürzlich auch die Lebensgeschichte der Beinahepräsidentschaftskandidatin und jetzigen US-Außenministerin Hillary Clinton als Comic veröffentlicht – in der Heftreihe „Female Force“.

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Obama sells. Ihr Mann ist bereits in Dutzenden Comics verewigt, in Kürze gibt es den ersten Band zu Michelle Obama.Illustration: Bluewater

Ende April ist ein Titel zur neuen First Lady Michelle Obama erschienen, weitere Hefte sollen der vornehmlich jungen Leserschaft auf je 24 Seiten die Lebensgeschichten von Ex-Außenministerin Condoleezza Rice und Caroline Kennedy, Tochter des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, näherbringen. Ein neues Subgenre entsteht: das der Powerfrauen-Comicbiografie.

Ein Paradebeispiel für die Möglichkeiten des Comicgenres sind diese Neuerscheinungen allerdings nur in einer Hinsicht: Sie zeigen, wie man mit einer guten Geschäftsidee schnell Geld machen kann. Zeichnerisch und inhaltlich sind diese Politbiografien so dünn wie oberflächlich. Der Band über Hillary Clinton wie auch der über Sarah Palin wurden von Neal Bailey geschrieben, einem jungen Autor, der kein Hehl daraus macht, dass er sich bis zu diesem Auftrag nur marginal für Politik interessierte. Immerhin hakt er pflichtbewusst die wichtigsten biografischen Stationen der beiden Frauen ab und macht deutlich, wie sich jede von beiden in der männerdominierten Welt der Politik nach oben gearbeitet hat. Das geht aber kaum über einfachste Internetrecherche hinaus.

Halbnackte Amazone mit Hochsteckfrisur

Zumindest die Sammler unter den Comicfans dürfte das nicht schrecken. Sie können mit einem Einsatz von umgerechnet vier Euro pro Ausgabe ihre Sammlung um ein paar zeitgeschichtliche Werke erweitern, bei denen man angesichts der großen Beliebtheit durchaus auch eine gewisse Wertsteigerung der Erstauflagen erwarten darf.

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Bestseller. Die Clinton-Biografie ist bereits in zwei Auflagen ausverkauft.Illustration: Bluewater

Angespornt von dem Erfolg der „Female Force“-Titel, wollen auch andere Verlage den Trend nutzen. So kündigte der Chicagoer Verlag Devil’s Due vor kurzem an, Sarah Palin ebenfalls ein Comicdenkmal zu setzen. Dabei soll allerdings weniger auf die politischen Leistungen oder Defizite Palins geschaut werden. Mit Blick auf die primäre Zielgruppe – männliche Jugendliche – will der Verlag die Beinahevizepräsidentin als halbnackte Amazone in einer schrägen Abenteuergeschichte präsentieren, samt Brille, Hochsteckfrisur und mit einem Umhang aus Fuchspelzen.

Den Comicverlagen beschert die Vermarktung der Politikerbiografien offenbar Verkaufserfolge in ungeahnten Dimensionen – angesichts der auch in dieser Branche einbrechenden Umsatzzahlen ist dies eine unerwartete Entwicklung.

Nach Verlagsangaben rangiert die „Female Force“-Reihe beim Internethändler Amazon unter den 300 meistverkauften Büchern. Und die jetzt erscheinende Michelle-Obama-Biografie landete beim US-Comicvertrieb Diamond schon alleine durch die Zahl der Vorbestellungen auf Platz eins der Independent Comic-Charts im Monat April, wie Bluewater mitteilt.

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