Politik im Comic : Der Kampf der Tiger

Der jetzt abgeschlossene Zweiteiler "Rampokan" ist ein so spannendes wie aktuelles Lehrstück über die bis heute andauernden Verwerfungen der Kolonialzeit.

Thomas Greven
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Unglücksbringer. Die Legende von Rampokan handelt vom rituellen Kampf Mensch gegen Raubtier.Illustration: van Dongen/Avant

Die indonesische Legende von Rampokan, auf die sich der Niederländer Peter van Dongen in seinem durch den vorliegenden Band abgeschlossenen Zweiteiler bezieht, sagt Unglück voraus, wenn im ritualisierten gemeinsamen Kampf des Dorfes gegen freigelassene Tiger auch nur einer von diesen entkommt. In den Wirren nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernehmen die zurückkehrenden niederländischen „Tiger“ die Macht von den besiegten Japanern.

Unter ihnen ist auch der junge Johan Knevel, durch seine Geburt in Indonesien und die Ersatzmutterrolle seiner indonesischen Kinderfrau emotional an dieses Land gebunden und dennoch voller Herrenmenschenattitüde, die ihn aber nicht vor dem Rassismus der „richtigen“ Niederländer schützt.

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Ambivalente Charaktere. Eine Seite aus dem ersten Band des Zweiteilers.Illustration: van Dongen/Avant



Van Dongen erzählt die Geschichte seines Protagonisten weitgehend linear, in einem durch eigenwillige Effekte variierten zweifarbigen Ligne Claire-Stil, und dennoch verlangsamt sich das Lesen fast automatisch durch die Komplexität des historischen Sujets und die Ambivalenzen der Charaktere, die nie zu einfachen und klaren „Typen“ werden, sondern den Leser stets fordern.

Neben den spannenden Verzweigungen von Knevels Abenteuer, in deren Verlauf er die Identität eines niederländischen Kommunisten annimmt und unversehens in den Befreiungskampf der Indonesier verwickelt wird, ist es die politische Aktualität, welche die Lektüre der beiden Rampokan-Bände zu einem wertvollen Vergnügen macht.

Die europäische Beteiligung an der „Erfindung der Nation“ (Benedict Anderson) hat in Indonesien und in vielen anderen kolonialisierten Gebieten zu erheblichen Verwerfungen geführt, mit denen die Betroffenen bis heute kämpfen.

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Möglicherweise ist es nur die Unfähigkeit des Westens, die eigenen Handlungen angemessen im historischen Kontext zu bewerten, die es heute wieder erlaubt, in sogenannten „failed states“ mit einem gerüttelt Maß an Überheblichkeit und gar missionarischer Attitüde einzugreifen.

Peter van Dongen: Rampokan, zwei Bände (72 bzw. 88 Seiten), je 17,95 Euro, Avant-Verlag.

Unser Autor, der Politikwissenschaftler Thomas Greven, ist Gastprofessor am John F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin.

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