Popkultur : Keiner beatet mehr

Es ist ein Kniefall vor den Verrückten, Sinnsuchern und romantischen Verlierern: "The Beats" erzählt die Geschichte der amerikanischen Beat-Literatur.

von
Jack Kerouac
Jack KerouacIll.: Walde + Graf Verlag

Gottseidank fiel mir Jack Kerouacs „Unterwegs“ erst spät in meinem Leben in die Finger. Wenn ich dieses Buch als Teenager gelesen hätte, ich wäre wohl sofort von zu Hause weg gelaufen. „Denn die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, (...) verrückt danach, erlöst zu werden, (...) die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen ...“

Alle diese Verrückten und Durchgeknallten, all diese Sinnsucher und Menschenzerstörer, diese romantischen Verlierer, diese Schwärmer, alle diese Diebe, Junkies, Homo- und Bisexuelle, die versucht haben, ein Leben komplett in Ekstase zu leben, ohne Rücksicht auf Verluste, sei es bei anderen Menschen oder bei sich selbst, sie sind jetzt in einem wunderschönen Buch versammelt.

Ihre Namen lauten Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Tuli Kupferberg, Lawrence Ferlinghetti, Michael McClure, Neal Cassady und Herbert Huncke, und sie waren im Nachkriegsamerika, in einem Land, das verzweifelt seine Linie suchte, so etwas wie heimliche Stars. Die Lösung für dieses Dilemma glaubten die Beatniks in der Bewegung gefunden zu haben, in Jazz, Drogen, Spiritualität und Sex.
„The Beats – Die Geschichte der Beat-Literatur“ ist leider das letzte Werk, das der im Juli verstorbene Harvey Pekar noch vollenden konnte. Aber was für ein Buch das geworden ist! Natürlich keine Graphic Novel, wie großspurig auf dem Cover vermerkt, sondern – wie passend zum Thema! – eine etwas disparate Sammlung von Porträts und Geschichten über diese großartige und innovative Episode in der amerikanischen Popkultur. Dabei bleiben Pekar, sein Autorenpartner Buhle und die verschiedenen Zeichner (darunter auch die fantastische Mary Fleener) den Objekten ihrer Verehrung durchaus kritisch verbunden: Spätestens wenn es um die Frauen der Beatniks geht, wird klar, dass diese Menschen zumindest gefühlsmäßig über Leichen gegangen sind.

 

„The Beats“. Harvey Pekar und Paul Buhle (Hrg.). Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Stegers. Walde + Graf Verlag, Zürich 2010. 206 Seiten, 22,95 Euro.

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