Porträt : „Homer, nimm es nicht persönlich“

Sie opfert sich für Ihr Familie. Nun zeigt Marge Simpson, was sonst noch in ihr steckt - im amerikanischen "Playboy"

Joachim Huber
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Schrei nach Aufmerksamkeit. Marge auf dem US-Cover des aktuellen Playboy-Hefts.

Ihr Leben lebt Marjorie „Marge“ Simpson für andere. Sie opfert sich für ihre Familie auf, sie verdrängt ihre Gefühle, ihre moralischen Grundsätze sind eisern. Und jetzt das: Marge Simpson, 34-jährige Hausfrau und Mutter, macht sich für die Novemberausgabe des amerikanischen „Playboy“ nackig. Auf dem Cover räkelt sie sich auf einem Stuhl in der berühmten Häschen-Form, im Heftinneren gibt sie ein Interview (in dem sie ihre Tat hoffentlich erklärt) und in der Mitte des Männermagazins fehlt der zweiseitige Ausfalter nicht. Die Posen der Marge Simpson seien „sehr, sehr gewagt“, erklärte „Playboy“-Chefredakteur James Jellinek zur hüllenlosen Comic-Ikone.

Die Motive der Zeitschrift sind eindeutig. Die Auflage der US-Version ist in weniger als drei Jahren von 3,15 Millionen auf 2,6 Millionen Hefte gefallen, das Durchschnittsalter der Leser liegt nunmehr bei 35 Jahren. Das gelbe Covergirl mit der blauen Turmfrisur soll ein jüngeres Publikum an die Kioske treiben, nur dort es gibt dieses Heft zu kaufen, die Abonnenten bekommen die gewohnte Miss America, so üppig, so drall, so austauschbar. Zu viel Kulturschock soll nicht sein.

Es bleibt die Frage, was Matt Groening zu „Marge, Naked“ getrieben hat. Geld kann es nicht gewesen sein, das hat der „Simpsons“-Kreateur im Überfluss. Ein Freundschaftsdienst für „Playboy“-Vater Hugh Hefner? Die einzig wahre Antwort kann nur in Marge Simpson begründet sein. Das Ausziehen ist ein Hilferuf, ein Schrei nach Aufmerksamkeit einer Frau, die in der US-Allerweltsstadt Springfield endlich den G-Punkt in ihrem Leben ansteuert. Homer, ihr Mann, ist ein Stiesel, der sich zu jeder Gelegenheit mit Duff-Bier betrinkt; phlegmatisch und breiig im Kopf ist er, Homer denkt nicht gerne und wenn, dann auf dramatisch niedrigem Niveau. Marge hat Homer drei Kinder geschenkt, da war mal was, Erotik, Anziehung, Leidenschaft. Alles verschüttet.

Millionen Männer werden Marge auf und im „Playboy“ sehen. Und weil es die Mitarbeiter in diesem Photoshop für elektronische Schönheit noch mit jeder Frau sehr gut gemeint haben, wird Frau Simpson eher an eine schlanke Nackte heranreichen als an eine dicke Akte. Wie wird Akw-Mitarbeiter Homer reagieren? Wie immer mit seinem „Nein!“? Wie die Kinder, wie Springfield, das typische Klemmi-Town im prüden Amerika. Der „Playboy“ riskiert viel, Marge Simpson noch viel mehr. Sie riskiert ihre Haut. Joachim Huber

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