Update

Präsidialer Segen für Comic-Klassiker : Obama: "Peanuts" sind ein Nationalheiligtum

Der US-Präsident ist seit Kindertagen Comic-Fan. Jetzt macht er sich für die Zeitungs-Strips von Charles M. Schulz stark.

von
Für immer jung. Charlie Brown, Snoopy und Co. sind auch 16 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers populär.
Für immer jung. Charlie Brown, Snoopy und Co. sind auch 16 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers populär.Illustration: PEANUTS © United Feature Syndicate, Inc.

Er las mit Begeisterung Comics mit Helden wie „Conan, der Barbar“, war zu Beginn seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus auf dem Titelbild eines „Spider- Man“-Heftes zu sehen und scherzte mit Bezug auf sein Jugendidol Superman schon mal öffentlich, dass er vom Planeten Krypton zur Erde gesandt worden sei, um sie zu retten. Nun hat sich US-Präsident Barack Obama für eine weitere Ikone der Comicgeschichte stark gemacht: Er hat das Vorwort des Abschlussbandes der bibliophilen „Peanuts“-Gesamtausgabe verfasst, der in Kürze beim Comicverlag Fantagraphics erscheint.

„Wie Millionen von Amerikanern bin ich mit den Peanuts aufgewachsen; aber ich bin ihnen nie entwachsen“, schreibt Obama nach Angaben der „New York Times“ in seiner Einleitung des Sammelbandes Nummer 25 der Reihe „The Complete Peanuts“. Die seit 2004 laufende Buchreihe macht das Werk des Zeichners und Autors Charles M. Schulz erstmals vollständig und chronologisch in Buchform zugänglich. Der von Obama eingeführte Band wird die Strips vom Januar 1999 bis zum 13. Februar 2000 enthalten, also auch jenen letzten, der einen Tag nach dem Tod von Schulz veröffentlicht wurde. Das Buch soll in den USA im Mai veröffentlicht werden und später auch auf Deutsch erscheinen: Der Hamburger Carlsen-Verlag veröffentlicht die Bücher mit zeitlicher Verzögerung, alle sechs Monate erscheint ein neuer Band.

Für Obama wie für viele andere „Peanuts“-Leser waren die von 1950 bis 2000 in etlichen Zeitungen veröffentlichten Strips „unsere tägliche Schmusedecke“, wie der US-Präsident mit Bezug auf die „Security Blanket“ der Peanuts-Figur Linus schreibt. „Das macht die Peanuts zu einem amerikanischen Nationalheiligtum.“

Comic-Fan seit Kindertagen: US-Präsident Barack Obama - hier auf dem Plakat "Superman Obama" des Künstlers Mr. Brainwash.
Comic-Fan seit Kindertagen: US-Präsident Barack Obama - hier auf dem Plakat "Superman Obama" des Künstlers Mr. Brainwash.Foto: Nicolas Armer/dpa

Und auch in Deutschland „gehören die Peanuts nach wie vor zu den populärsten Comicserien“, wie Klaus Schikowski sagt, Programmleiter beim Carlsen-Verlag in Hamburg und damit verantwortlich für die deutsche Ausgabe des Klassikers. „Gerade für so eine bibliophile Ausgabe ist ein adäquates Vorwort sehr wichtig“, findet der 49-Jährige. Weitere Autoren der „Peanuts“-Vorworte waren in der Vergangenheit unter anderem Jonathan Franzen, Diana Krall und Alec Baldwin. Für die deutsche Ausgabe habe man allerdings nicht alle Vorworte der US-Ausgabe übernommen, sagt Schikowski, da nicht alle Autoren hierzulande bekannt sind. Daher habe man auch „Peanuts“- Würdigungen von Prominenten wie Robert Gernhard, Ole Könneke, Oliver Rohrbeck oder Denis Scheck veröffentlicht.

Während die in den USA sehr erfolgreiche „Peanuts“-Gesamtausgabe dem kleinen Independent-Verlag Fantagraphics die wirtschaftliche Zukunft sicherte, ist die Reihe in Deutschland bislang eher ein Liebhaber- und Sammlerprojekt. Der Band mit Obamas Würdigung soll im September 2018 auf Deutsch erscheinen. Gerade für den Abschluss eines so ambitionierten Projektes freut sich der Verleger über die zusätzliche Aufmerksamkeit, die ein prominenter Gastautor bringt.

Klassiker: Ein Strip mit Snoopy aus dem November 1973.
Klassiker: Ein Strip mit Snoopy aus dem November 1973.Illustration: PEANUTS © United Feature Syndicate, Inc.

In der „New York Times“ erzählt Fantagraphics-Herausgeber Gary Groth, wie sein Verlag zu dem prominenten Autor kam. Den Kontakt habe der CNN-Journalist Jake Tapper vermittelt, der das Vorwort zum 22. Sammelband verfasst habe. Obama habe auf der Wunschliste möglicher Autoren für das Abschlussvorwort an erster Stelle gestanden, sagt Groth: „Wir wollten nach den Sternen greifen – mehr als Absagen kann er ja nicht.“ Die Kooperation mit Obama sei sehr zufriedenstellend gewesen: „Es ist großartig, dem Präsidenten sagen zu können: Wir brauchen den Text zu diesem Datum, liefere nicht zu spät!“

Offen bleibt bislang die Frage, mit welcher „Peanuts“-Figur sich Obama wohl am ehesten identifiziert. Zumindest geben die wenigen bislang veröffentlichten Passagen aus dem Vorwort darüber keinen Aufschluss. In Karikaturen der vergangenen Jahre war der US-Präsident mal in der Rolle des ewigen Pechvogels Charlie Brown zu sehen, dem nichts richtig gelingen will – und mal als dessen herrische Schulfreundin Lucy, die ihrer Umwelt das Leben schwer macht.

Autor