Ralf König: „Echte Kerle!“ : Der bewegende Mann

Das Wilhelm-Busch-Museum widmet Ralf König eine umfassende Ausstellung. Kürzlich wurde er für sein Lebenswerk geehrt - samt einer persönlichen Laudatio von Isabel Kreitz, die wir hier wiedergeben.

Moderner Klassiker: Ralf König vor einem seiner Werke in der Ausstellung in Hannover. Foto: dpa
Moderner Klassiker: Ralf König vor einem seiner Werke in der Ausstellung in Hannover.Foto: dpa

Er hat sich die Bibel vorgeknöpft, Shakespeares Dramen zu einem Comic verarbeitet, und wird doch jenseits der Comic-Szene oft nur mit „Der bewegte Mann“ in Verbindung gebracht. Der mit Til Schweiger in der Hauptrolle 1994 verfilmte Comic-Roman hat den Zeichner Ralf König populär gemacht - wenngleich König heute mit ambivalenten Gefühlen auf den Film schaut. Eine Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover gibt jetzt einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Kölner Comic-Künstlers. Sie läuft bis zum 18. Januar - mehr Informationen unter diesem Link. Aus Anlass der Ausstellung veröffentlichen wir hier eine persönliche Würdigung Königs von seiner Zeichner-Kollegin Isabel Kreitz, die diese anlässlich der Würdigung Königs mit dem Max-und-Moritz-Preis für sein herausragendes Lebenswerk beim Comicsalon Erlangen im Juni verfasst hat.

Denke ich an Ralf, denke ich an nicht zurück gegebene Comics. „Zitronenröllchen“ habe ich mir mehrfach nachkaufen müssen, „Pretty Baby“ selber irgendwo geliehen und behalten. Das war halt so üblich damals, in den analogen Zeiten, geliebte Comics waren eben Wanderpokale.

Keine Frage, Ralf König ist der bekannteste, beliebteste und meistgelesene Comic-Zeichner Deutschlands. Siebenundzwanzig Jahre und siebenundvierzig Bücher später hat sich daran nichts geändert. Das allein würde für den Lebenswerk-Preis ja dicke ausreichen, darum werde ich hier auch darauf verzichten, seine vielen weiteren Verdienste aufzuzählen!

Ralfs Arbeitsweise ist für mich absolut faszinierend. Die meisten von uns konstruieren, schreiben und scribbeln ihre Geschichten mehr oder minder mühsam, bevor sie mit dem zeichnen anfangen. Bei Ralf geschieht das gleichzeitig, in einem Arbeitsschritt. Wie macht er das nur, diese filigranen und hochkomplexen Szenarien so herunter zu zeichnen? Geschichten, die so brillant sind, dass sie nicht nur als Comic, sondern auch als Film und Theaterstück funktionieren? Wie behält er all diese Handlungsstränge und Nebenfiguren im Blick, während er Szene an Szene reiht, wie ein Schachspieler, der bereits die nächsten hundert Spielzüge auf dem Schirm hat?

Das Risiko bei dieser Arbeitsweise ist natürlich, dass er sich auch einmal in eine Sackgasse zeichnet. Dann werden fertige Seiten rausgeschmissen und zerschnibbelt, ein Vorgang, der vielen von uns fast körperliche Schmerzen verursacht. Aber wirklich gute Geschichten entstehen nur, wenn man das Wegschmeißen gelernt hat. Die Amerikaner haben dafür natürlich wieder einen Fachbegriff erfunden: „kill your babies“. Bei uns heißt das etwas moderater: „Das Bessere ist der Feind des Guten“.

Lieber Ralf, ich hoffe, das war nicht zu indiskret und es gibt keine Prügeleien am Container, wenn Du Dein Altpapier weg bringst!

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