Retro-Comics : Auf den Spuren von Tim und Struppi

Im Schatten der Atombombe: Die neue Serie „Kaplan & Masson“ ist von den belgischen Klassikern inspiriert. Dennoch ist sie erzählerisch wirr und kann bislang höchstens zeichnerisch überzeugen.

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Aufgeräumt: Eine der von Jean-Christophe Thibert gezeichneten Szenen.
Aufgeräumt: Eine der von Jean-Christophe Thibert gezeichneten Szenen.Foto: Carlsen

Es gibt Leser, für die ist Hergés Serie „Tim & Struppi“ der beste Comic aller Zeiten. Und dann gibt es Kenner, die halten „Blake & Mortimer“, geschrieben und gezeichnet von Hergés Mitarbeiter E.P. Jacobs, für das weitaus bessere Werk. Zu diesen Leuten gehören mit Sicherheit Didier Convard und sein Zeichner Jean-Christophe Thibert, denn der erste Band ihrer eigenen Serie „Kaplan & Masson“ atmet von der Figurenkonstellation (Geheimdienstler und Physiker) über den zeitlichen Hintergrund (50er Jahre, Kalter Krieg) bis hin zur Genremischung (Krimi und Humor) den Geist der großen Belgier.

Nur leider hat Convard, der mit seiner Serie um das „Geheime Dreieck“ schon bei den Lesern von Dan Brown wilderte, diesmal keinen guten Tag gehabt. Die Story holpert an allen Ecken und Enden, die Nebenfiguren sind ganz schlechte Amalgan-Imitate: In einer Figur wurden frecherweise der Vater der Atombombe, Robert Oppenheimer, und der gewissenlose Spion Klaus Fuchs miteinander vereint, eine andere Figur zeigt Howard Hughes noch irrer, als er ohnehin schon war.

Dem steht eine Grafik gegenüber, der die Liebe zum Detail aus allen Poren tritt. Als Gruß an die beiden Vorbilder taucht die Azteken-Mumie aus „Tim & Struppi“ auf, sämtliche Autos, Flugzeuge und Motorroller sehen aus wie von Jacobs gezeichnet.

Klassischer Look: Das Cover des ersten Albums.
Klassischer Look: Das Cover des ersten Albums.Foto: Carlsen

Überhaupt rettet der Zeichner Jean-Christophe Thibert den wirren Unfug komplett, denn seine Seiten sehen aufgeräumt und klug aus. Vielleicht ist diese Serie – deren zweiter Teil, welcher auf Deutsch im August erscheinen soll, angeblich viel besser ist – ja auch nur ein raffinierter Versuch von Thibert, sich als nächster „Blake & Mortimer“-Zeichner zu bewerben. Chancen hätte er.

Didier Convard (Autor) und Jean-Christophe Thibert (Zeichner): Kaplan & Masson, Band 1: Die Chaostheorie, aus dem Französischen von Harald Sachse, Carlsen, Hamburg 2011, 56 Seiten, 12 Euro.

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