Satire : Bin Ladens Knollennase

Ein kontrovers diskutierter Comic zweier Franzosen verspottet den Terroristenführer. In Kürze erscheint das Buch in Deutschland. 

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Spott statt Schrecken. Bin Laden mit Covergirl auf dem Titel des Buches.
Spott statt Schrecken. Bin Laden mit Covergirl auf dem Titel des Buches.Illustration: Bercovici/Eichborn

Zur Premiere gab es „die üblichen Einschüchterungsversuche und Gewaltandrohungen“, erinnert sich der Autor. Als der französische Journalist Mohamed Sifaoui im vergangenen Jahr zusammen mit dem Zeichner Philippe Bercovici seinen 100-seitigen Comic „Ben Laden dévoilé“ veröffentlichte, eine auf Fakten basierende, satirisch überspitzte Geschichte um Terroristenführer Osama bin Laden, da kaperte eine Gruppe islamistischer Fundamentalisten die Facebook-Gruppe, die der Autor zum Buchstart gegründet hatte: „Sie haben sie übernommen, umbenannt und beschimpfen uns seither darauf“, berichtete Sifaou vergangenes Jahr in einem „Spiegel“-Interview. 

Nun soll das provokant-überdrehte Buch in Deutschland erscheinen: Zeitgleich mit Lizenzausgaben in Spanien, Dänemark und den Niederlanden kommt es am 5. Juli im Eichborn-Verlag heraus, wie eine Sprecherin mitteilte. 

„Es ist an der Zeit, sich über den Kerl lustig zu machen“, begründet Autor Sifaoui seine Motivation.  Der 42-jährige, der algerischer Herkunft und muslimischen Glaubens ist, hat sich als Journalist immer wieder mit islamistischen Netzwerken befasst und dabei auch die Aktivitäten Osama bin Ladens beschrieben. Es sei angebracht, das Thema einmal mit Humor zu nehmen: „Ich halte Lachen für ein exzellentes Mittel gegen die Schreckensszenarien, die Extremisten wie er uns aufzwingen wollen.“ 

„Realistisch genug, um ihn zu erkennen, aber auch Karikatur genug, um sich über ihn lustig zu machen.“ Eine Seite aus der französischen Ausgabe.
„Realistisch genug, um ihn zu erkennen, aber auch Karikatur genug, um sich über ihn lustig zu machen.“ Eine Seite aus der...Foto: Promo

Mit seinem Comic will der Autor den Terroristenführer „entweihen“, wie er sagt: „Er gilt nach wie vor als eine mystische Person in großen Teilen der islamischen Welt, als charismatischer Messias. Man sollte ihn endlich auf das reduzieren, was er ist: ein krimineller Ideologe, der den Islam instrumentalisiert, um barbarische Anschläge zu verüben.“ 

Die Zeichnungen von Philippe Bercovici sollen die Gratwanderung zwischen Satire und Ernst vermitteln: „Realistisch genug, um ihn zu erkennen, aber auch Karikatur genug, um sich über ihn lustig zu machen.“ So habe bin Laden eine sehr große Nase verpasst bekommen. Die meisten Elemente seien aber der Realität entlehnt. „Alle wichtigen biografischen Stationen entsprechen den Tatsachen“, sagt der Autor, nur ein paar Anekdoten seien fiktiv. „70 Prozent sind wahr, 30 Prozent erfunden.“ 

Mohamed Sifaoui/ Philippe Bercovici: Bin Laden enthüllt. Ein Comic-Attentat auf Al-Kaida, 104 Seiten, 16,95 Euro, Eichborn, erscheint Anfang Juli 2010.

 

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