Serie: Mein Asterix (1) : "Ich wünsche ihm ein stolzes Hügelgrab"

Vor 50 Jahren erschien das erste Asterix-Abenteuer. Wir haben prominente Comiczeichner gefragt, was Ihnen die Geschichten bedeuten. Heute erzählt Ralf König, was er an den Galliern liebt - und wieso er sie in letzter Zeit unerträglich findet

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Unerreicht. Der Asterix-Band "Der Seher" ist einer von Ralf Königs Favoriten - hier eine Szene daraus.©2009 Les Éditions Albert René/Goscinny-Uderzo/Ehapa

Was haben Ihnen Asterix und Obelix früher bedeutet, und welche Relevanz haben sie für Sie heute?


Der kleine Gallier war natürlich Kindheitslektüre, sogar mit dem Segen unseres Geschichtslehrers, weil der selbst drauf stand und den Comic sogar lehrreich fand im Sinne der Anspielungen auf die Historie. Goscinny hat sich wunderbare Charaktere ausgedacht, und Uderzo war der richtige Zeichner

Hatte die Arbeit von Goscinny und Uderzo einen Einfluss auf Ihre Entwicklung als Autor und Zeichner, und wenn ja: Welchen?
Es gab in meiner Kindheit diese Wundertüten, da waren kleine Asterix- Figuren aus Plastik drin, die hab ich wie wild gesammelt und dann ganze römische Legionen auf dem Fußboden aufgestellt, und aus Legosteinen hab ich Pyramiden gebaut, mit innenliegenden Grabkammern, da lag dann die Asterix-Kleopatra eingewickelt in Nähgarn als ägyptische Mumie drin, und ich hab rumgesponnen und mir dramatische Dialoge ausgedacht, so dass meine Mutter daneben saß und ganz fasziniert zuhörte. Von daher war Asterix durchaus einer meiner Kreativitätsförderer.

Was mögen Sie an den Asterix- und Obelix-Geschichten, was nicht?
Ich mag die vielen Details. Methusalix, der klapprige Greis, mit seiner jungen kurvenreichen Frau, diesem Busenwunder, wo das ganze Dorf sich fragt...

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Klassiker. Auch "Die Trabantenstadt" zählt zu Königs Lieblingswerken von Goscinny und Uderzo.Illustration: ©2009 Les Éditions Albert René/Goscinny-Uderzo/Ehapa

Oder Angst der Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Leider wurde Asterix nach dem Tod des genialen Texters von Uderzo sehr schlecht weitergeführt. Miserable Dialoge und Geschichten, leider. Ich fand auch die Vermarktung im Kino unerträglich, die doofen Trickfilme, aber vor allem diese Realverfilmungen mit Depardieu als Obelix.

Was wünschen Sie Asterix und seinen Lesern zum 50. Jubiläum?
Dem Gallier wünsche ich ein stolzes Hügelgrab mit Hinkelstein, damit er nicht weiter gegen doofe Ufos kämpfen muss oder derlei schwache Einfälle. Und wer den wahren Asterix kennenlernen möchte, der greife zu den Bänden, in denen Goscinny noch Regie führte. "Bei den Briten", "Trabantenstadt", "Der Seher"... das sind und bleiben einfach klasse Comics.

Ralf König ist einer der wichtigsten deutschen Comiczeichner und -autoren. Von ihm erschienen zuletzt die Bücher "Archetyp" (Rowohlt-Verlag) und "Schillerlöckchen" (Männerschwarm-Verlag) - eine ausführliche Doppelrezension folgt in Kürze auf den Tagesspiegel-Comicseiten. Ralf Königs Website findet sich unter diesem Link.

Im Ehapa-Verlag erscheint am 22. Oktober anlässlich des 50. Jubiläums das neue Asterix-Album Band 34. Mehr unter www.asterix.de, www.ehapa.de oder www.ehapa-comic-collection.de.

In unserer Reihe "Mein Asterix" folgen in den kommenden Tagen Beiträge von
Ulli Lust, Reinhard Kleist, Mawil, Elke R. Steiner, Émile Bravo, Sascha Hommer sowie Gerhard Seyfried & Ziska.

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