Serie: Mein Asterix (4) : "Das bleibt hängen, ein Leben lang"

Vor 50 Jahren erschien das erste Asterix-Abenteuer. Zeichner Reinhard Kleist beschreibt, wie man zwar den Comicleser aus Gallien rauskriegt, aber nie Gallien aus dem Comicleser

Reinhard Kleist
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Unzerstörbar. Reinhard Kleist verfolgen die Szenen aus den Asterix-Heften seiner Jugend bis heute.©2009 Les Éditions Albert René/Goscinny-Uderzo

Als Kind haben wir alle Alben gehabt. Bis auf die letzten. Wenn meine Eltern mir oder meinem Bruder ein neues Album gekauft haben, habe ich es meistens sofort in einem Rutsch runtergelesen. Dabei durfte mich niemand stören. Es konnte mich auch niemand stören, da ich für die Zeit des Lesens nach Gallien abgerauscht war.

Danach schlug ich das Heft wieder auf der ersten Seite auf und ging es noch mal durch, um mir alles noch genauer anzusehen. Jedes Detail habe ich aufgesaugt, jede Sprechblase auswendig gelernt. Einige Sätze wurden geflügelte Aussprüche in der Familie und auch auf dem Schulhof. "In den See! In den See!" oder "Die spinnen, die ... (hier kann man dann etwas Beliebiges, was gerade spinnt, einsetzen)!"

Jahre später habe ich dann angefangen, Comics zu zeichnen, Asterix wurde zu einem "No go"-Gebiet, woran Herr Uderzo auch nicht gerade unschuldig war, die Hefte habe ich verschenkt.

Irgendwann fing ich an bei Freunden in ihren Stapel von Asterix Heften, sie hatten alle, bis auf die letzten, reinzulesen und ich musste mit Entsetzen feststellen, dass ich immer noch alle Zeichnungen bis ins Detail kannte und alle Dialoge fast mitsprechen konnte.

Da versucht man verzweifelt Französisch oder Spanisch zu lernen und vergisst nach kurzer Zeit sämtliche Vokabeln. Aber das bleibt hängen. Ein ganzes Leben lang.

Unser Gastautor Reinhard Kleist ist schon seit langem einer herausragenden deutschen Comicautoren und -zeichner, mit dem Bestseller "Havanna - eine kubanische Reise" und der gezeichneten (und kürzlich auch in den USA und in Brasilien veröffentlichten) Johnny-Cash-Biografie "I see a Darkness" wurde er in den vergangenen Jahren auch einem größeren Publikum bekannt. Ein weiteres wichtiges Werk von ihm ist die futuristische Berlin-Trilogie "Berlinoir". Im Moment arbeitet Kleist an einer Biographie Fidel Castros. Seine Website findet sich hier, sein Kuba-Blog hier. Außerdem schreibt Kleist gelegentlich für die Tagesspiegel-Comicseiten, seine letzten Beiträge finden sich unter diesem Link.

Im Ehapa-Verlag erschien am 22. Oktober anlässlich des 50. Jubiläums das neue Asterix-Album Band 34. Mehr unter www.asterix.de, www.ehapa.de oder www.ehapa-comic-collection.de.

In unserer Reihe "Mein Asterix" folgen in den kommenden Tagen Beiträge von Mawil, Elke R. Steiner, Émile Bravo sowie Gerhard Seyfried & Ziska.

Bereits erschienen: 
Ralf König erklärt, wieso er keine neuen Asterix-Geschichten mehr lesen will, Sascha Hommer erzählt, wieso der kleine Gallier seine erste Identifikationsfigur wurde und Ulli Lust beschreibt, wieso sie sich mehr für historische Figuren als für Schlachten interessierte.

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