Sonderband : Horror in einer Faust voller Staub

Neil Gaimans „Sandman“ war die einflussreichste Comic-Serie der 90er Jahre. Jetzt liegt sie komplett auf Deutsch vor.

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Endlich! 18 Jahre und drei Verlagswechsel hat es gedauert, bis Neil Gaimans „Sandman“-Serie komplett auf Deutsch vorliegt. Mit dem gerade erschienenden, von Chris Bachalo gezeichneten Sonderband „Death“ kann man nun den komplexesten und intelligentesten Comic der 90er Jahre am Stück lesen. Zehn Bände und vier Sonderbände umfasst die gesamte Saga, einen Tick zuviel vielleicht, das letzte Drittel der Hauptserie zieht sich etwas. Aber Neil Gaimans „Sandman“ ist kein Superheld in buntem Spandex, dessen endlose Abenteuer man im nächsten Monat wieder vergessen hat. Er ist Morpheus, auch Dream genannt, der Herr der Träume, einer der sieben Ewigen und ein gottgleiches Wesen, das über das Traumland gebietet. Durch eine Verwechslung gerät er in die jahrzehntelange Gefangenschaft eines Magiers. Nach seinem Entkommen ist das Traumreich verwüstet, die Insignien seiner Macht in alle Winde verstreut. So beginnt eine klassische Queste, die ihren Helden im Lauf der Handlung bis in die Hölle führen soll. Aber auch in die Niederungen seiner kaputten Familie, und der Leser erkennt, dass auch gottgleiche Wesen manchmal falsche Entscheidungen fällen und mit diesen Fehlern leben müssen.

„Ich zeige Euch Horror in einer Faust voller Staub“, versprach eine legendäre Verlagsanzeige zum „Sandman“, frei nach T.S. Elliott. Virtuos spielt Gaiman mit jeder Form von Kultur, von den Mythen der Antike bis hin zum Popzeitalter. Seine Fantasie dringt tief unter die Oberfläche seiner Storys, erzählt von der Bedeutung, die Träume und Mythen für unser aller Leben haben. In seinen besten Momenten ist Sandman tranzendent wie ein Song von Van Morrison. Hoffentlich bleibt dieser Klassiker, der auch grafisch nur von den besten der Besten gestaltet wurde, recht lange lieferbar.

Neil Gaiman: Death, 224 Seiten, 19,95 Euro, Panini. Weitere Infos hier.

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