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Stephen-King-Adaption : Digitaler Konstruktivismus

24.02.2012 14:57 Uhrvon
Grässliche Träume plagen den Patienten "N" ... zumindest hofft er, dass es Träume sind. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen zunehmend.Bild vergrößern
Grässliche Träume plagen den Patienten "N" ... zumindest hofft er, dass es Träume sind. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen zunehmend. - Foto: promo

Marc Guggenheim und Alex Maleev haben Stephen Kings Kurzgeschichte „N“ erst in einen Online-Comic und jetzt in eine klassische Bildergeschichte verwandelt. Mit ihren stark digital bearbeiteten Bildern bietet die Geschichte über eine mysteriöse Selbstmordserie und Zwangsneurosen gewaltig Verstörungspotenzial.

Sind es sieben oder acht Steine, die auf Ackermann's Field stehen? Patient „N.“ weiß es nicht. Die Zahl der Monolithen auf den Feld in Maine, von dem er sich zwanghaft angezogen fühlt, schwankt.  Nur in seinem Kopf, wie sein Psychiater John Bonsaint glaubt? Oder in der Realität, wie der Leser bald befürchtet? Schnell gerät in Stephen Kings Kurzgeschichte aus dem Jahr 2008 die Ordnung der Dinge durcheinander. Und der Strudel, der daraus entsteht, verschlingt alle, die ihm zu nahe kommen.

Parallel zur Erstveröffentlichung von „N.“ in Stephen Kings Kurzgeschichtensammlung „Sunset“ haben der Autor Marc Guggenheim und der Zeichner Alex Maleev die Erzählung, die sich aus Briefen, Zeitungsausschnitten, Polizeiprotokollen und anderen Dokumenten zusammensetzt in einen 25-teiligen Web-Comic verwandelt.

Basierend auf dieser Arbeit begannen sie 2010 mit einer klassischen Comicadaption. Diese liegt jetzt gebündelt vor und übertrifft den ersten Anlauf nicht nur, weil sie ein Mehr an Ideen und Bildern bietet, sondern auch, weil man diese Bilder nun betrachten kann, ohne den reichlich pathetisch agierenden Sprechern lauschen zu müssen.

Dabei ist „N“ kein Werk, das sofort grafisch fesselt. Die Bilder strahlen eine distanzierte Kälte aus, die am Anfang so gar nicht zu den mitfühlenden Briefen an und von Bonsaints Schwester passen will, die in die Geschichte einführen. Mehrfach fühlt man sich beim Betrachten an die antiseptischen, überzeichneten Fotografien des Zeichners Jamiri erinnert. Nach und nach zeigt sich jedoch, dass diese Ästhetik die Absichten des Autors – gewollt oder nicht – doppelt: Pate für seine Geschichte habe nämlich Arthur Machens Novelle „The Great God Pan“ aus dem Jahr 1894 gestanden, erklärt Stephen King in einem den Web-Comic begleitenden Clip. Auf den ersten Blick mag das wundern, verbindet die Geschichten wenig mehr als eine in beiden vorkommende Selbstmordserie.

Doppelbelichtung. Die digitale Bearbeitung lässt die Bilder wie übermalte Fotos erscheinen. Dadurch bekommt jedes Panel eine doppelte Ebene - wie die Realität, hinter der in der Geschichte immer der Wahnsinn lauert.Bild vergrößern
Doppelbelichtung. Die digitale Bearbeitung lässt die Bilder wie übermalte Fotos erscheinen. Dadurch bekommt jedes Panel eine doppelte Ebene - wie die Realität, hinter der in der... - Foto: promo

Auf den zweiten lassen sich aber beide Werke als Parabel auf die Zerbrechlichkeit der Realität und die Unzuverlässigkeit unserer Wahrnehmung lesen. Und so mehrschichtig wie die Realität zeigen sich hier eben auch die Bilder. Solche Überlegungen kennt man aus Abhandlungen über den Konstruktivismus, allerdings mit dem Unterschied, dass wenige klassisch philosophische Abhandlungen eine solche Beklemmung hervorzurufen vermögen wie diese Geschichte, in der nicht nur die Realität sondern nacheinander auch jede einzelne Figur zerbricht.

Das alles macht „N.“ zwar mitnichten zu der Übererzählung, als die Guggenheim sie in seinem Vorwort feiert. Allerdings geht sie auch deutlich über die Formel hinaus, auf die Stephen King sie tiefstaplerisch eindampfen will: „Lovecrafts Monster treffen auf Zwangsneurosen“.

Marc Guggenheim & Alex Maleev: „Stephen Kings N.“, Marvel/Panini, 112 Seiten, 14,95 Euro

Feldeinsatz. Das Cover von "N".Bild vergrößern
Feldeinsatz. Das Cover von "N". - Foto: promo

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