Superhelden-Comics : Das Ende des dunklen Ritters

Im US-Comic "Final Crisis", deren deutsche Ausgabe jetzt erscheint, stirbt Batman den Heldentod. Doch keine Angst: Seine Rückkehr ist so gut wie sicher. Andere Superhelden haben es vorgemacht.

Bertram Küster
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Angeschlagen. Das Cover des aktuellen Batman-R.I.P.-Bandes aus dem Panini-Verlag.

Es passiert in der sechsten Ausgabe der DC-Comics-Serie "Final Crisis": Nachdem er 70 Jahre lang gegen das Verbrechen in Gotham City und seine inneren Dämonen angekämpft hat, bricht Batman zum ersten Mal seinen moralischen Grundsatz, nie eine Schusswaffe einzusetzen.

Der dunkle Ritter erschießt Darkseid, das personifizierte Böse des DC-Universums. Sein letztes Wort könnte profaner nicht ausfallen: "Gotcha."

Im Sterben röstet Darkseid die Fledermaus mit seinen Omega-Strahlen. Kurz darauf findet Superman den übel zugerichteten Batman und trägt den offenbar toten Helden aus dem Bunker des Schurken. Ende. Aus.

"Hier wird schockierende Bat-Geschichte geschrieben", wirbt der Panini-Verlag für die Serie "Batman R.I.P.", die vor kurzem in Deutschland startete und die Geschehnisse vor dem Ableben des dunklen Ritters erzählt.

In den USA wurde Batmans Tod kaum wahrgenommen

Doch schockierend ist dabei etwas ganz anderes: Zumindest in den USA, wo die Todesszene Mitte Januar erschienen ist, hat die Geschichte so gut wie keine Reaktion in den Mainstream-Medien hervorgerufen. Wesentlich größere Aufmerksamkeit erregten jüngst die Gastauftritte von US-Präsident Barack Obama - unter anderem in einer Ausgabe von "Spider-Man". Eine Ikone der Superheldengeschichte tritt ab und keiner schaut hin?

Superman
"The Death of Superman" von 1992. -Foto: promo

Das war 1992 noch anders. Als Superman nach einem Kampf gegen den mächtigen Doomsday seinen Verletzungen erlag und in den Armen von Lois Lane starb, griffen Medien weltweit das Comic-Ereignis dankbar auf, und "The Death of Superman" wurde einer der bestverkauften Superhelden-Comics aller Zeiten. Natürlich flog "der Stählerne" ein Jahr später wieder in alter Frische am Himmel über Metropolis - und alles war wie zuvor.

Denn so ist es immer. Tod und Wiederauferstehung von Helden haben sich längst zu einem der gängigsten Comic-Klischees entwickelt. Die englische Ausgabe des Internet-Lexikons Wikipedia führt darüber sogar einen eigenen Eintrag, der ausführlich die erzählerischen Kniffe darlegt, mit denen Comic-Autoren ihre Helden vorübergehend ableben lassen. Grundvarianten sind dabei die tatsächliche und übernatürliche Wiederbelebung wie im Fall von Superman oder die Übernahme der Superheldenrolle durch eine ähnlich veranlagte Figur wie im Fall von Batmans Sidekick Robin. Gerne wird der Tod eines Comiccharakters nur angetäuscht, und später stellt sich heraus, dass ein Klon oder ein Gestaltenwandler das eigentliche Opfer waren. Und wenn gar nichts anderes hilft, reisen einige Superkollegen einfach per Zeitreise in die Vergangenheit, um den Verstorbenen zurückzuholen.

Eine alte Comic-Weisheit lautete: "Niemand bleibt tot außer Bucky, Jason Todd und Onkel Ben". Gemeint sind die Sidekicks von Captain America, Batmans zweiter Robin sowie Spider-Mans Onkel. Doch selbst dieser Spruch wurde von den Ereignissen bereits überholt. 2005 wurden sowohl Bucky als auch Jason Todd wiederbelebt. Für größeres Aufsehen sorgte zuletzt der Tod des Marvel-Veteranen Captain America, der 2007 in New York von einem Scharfschützen erschossen wurde und seitdem von Bucky vertreten wird.

Die Werbemasche zieht nicht mehr

Als PR-Trick hat sich die Masche über die Jahre abgenutzt. Doch vielleicht gibt es auch noch einen anderen Grund, warum der Tod von Batmans Alter Ego, dem Milliardär Bruce Wayne, vergleichsweise geringes Aufsehen erregt. Während der Batman-Film "The Dark Knight" mit ein paar wenigen Grundmotiven der Comic-Vorlage ein Millionen-Publikum erreichte, müssen sich die Macher der Comics mit immer neuen so genannten "Crossover Events" ins Gedächtnis ihrer Leser zurückrufen. Wer von dem Film begeistert war und sich dann eine Folge von "Final Crisis" kauft, wird der Handlung nur schwer folgen können. Buchstäblich hunderte von Superhelden und -Schurken nehmen sich hier gegenseitig aufs Korn. Gute und böse Charaktere wechseln munter die Seiten und stellen das so genannte Multiversum der DC-Comics gehörig auf den Kopf. Laien überkommt da schon nach wenigen Seiten ein leichtes Schwindelgefühl.

Batman
"Batman R.I.P."-Cover von Alex Ross. -Foto: promo

Wie Gotham City in den nächsten Monaten ohne Batman auskommt und wie sich seine einstigen Mitstreiter um Batmans Umhang streiten - das werden in erster Linie Hardcore-Fans verfolgen. Doch vielleicht gibt es bald Stoff für Gelegenheitsleser: Starautor Neil Gaiman ("The Sandman") widmet sich der Fledermaus in dem Zweiteiler "Whatever Happened to the Caped Crusader?" eine Reminiszenz an den Superman-Klassiker "Whatever happened to the Man of Tomorrow?" von Alan Moore aus dem Jahr 1986.

Und Bruce Wayne alias Batman? Er wird zurückkommen. So viel ist sicher. Denn so ist es immer.

Ein Interview mit Batman-Forscher Lars Banhold zum Thema finden sie unter diesem Link.

Batmans Tod spielt zunächst in drei Comic-Serien des DC-Verlags eine wichtige Rolle. Es beginnt mit "Batman R.I.P.", die jetzt auch in Deutschland angelaufen ist. Darauf folgt die jetzt ebenfalls in Deutschland gestartete Serie "Final Crisis", in deren Verlauf Batman von seinem Widersacher Darkseid getötet wird. In der Reihe "Battle for the Cowl", die demnächst in den USA startet, streiten sich schließlich diverse Mitstreiter von Batman um dessen Erbe.

Auf Deutsch erscheinen die Bände bei Panini, mehr dazu hier.


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