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Superhelden-Comics : Größer als das Leben

11.01.2012 16:33 Uhrvon
Held mit menschlichem Antlitz: Eine Seite aus Lee Bermejos und John Arcudis Superman-Episode.Bild vergrößern
Held mit menschlichem Antlitz: Eine Seite aus Lee Bermejos und John Arcudis Superman-Episode. - Foto: Panini

Der Prachtband „Wednesday Comics“ ist eine Hommage an die Glanzzeit des Zeitungs-Comics. Das Prestigeprojekt besticht durch prachtvoll illustrierte Erzählungen – manche Künstler scheinen allerdings von dem Format überfordert.

Der amerikanische Zeitungscomic besitzt große historische Bedeutung für das Medium Comic. Ohne Kenntnis des zeitgeschichtlichen Hintergrunds erscheint dies heute nur noch schwer nachvollziehbar. Die Geburt des Comics als Zeitungsbeilage ging mit dem technologischen Fortschritt und der Revolution der Drucktechnik einher. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ermöglichten der aufkommende Mehrfarbdruck und die fortschreitende Mechanisierung der Schriftsatzarbeit bei verhältnismäßig geringem Aufwand das Drucken hoher Zeitungsauflagen.

So entstanden als zusätzlicher Kaufanreiz Farbbeilagen mit Bildergeschichten, die unter anderem auf ein Einwanderer-Publikum abzielten.

Oft waren die Leser der neuen Landessprache nicht vollständig mächtig. Zudem waren sie von Kunstgenüssen wie Malerei und Literatur weitestgehend ausgeschlossen. Die farbigen Sonntagsbeilagen wirkten da wie ein Segen, besaß doch der Kinofilm bei weitem noch nicht den Massenappeal späterer Jahre. Eine weitere große Rolle spielte auch die selbstbestimmbare Lesegeschwindigkeit. Teile der anvisierten Zielgruppe spiegelten sich auch in den damals publizierten Serien wider, seien es nun „Hogan´s Alley“ (ab 1895) und „Yellow Kid“ (ab 1896) von Richard F. Outcault oder Rudolph Dierks „The Katzenjammer Kids“ (ab 1897). Deren Protagonisten waren oft arm und bedienten sich einer rüden Sprache. Und „The Katzenjammer Kids“ konzipierte gar ein deutschstämmiger Einwanderer selbst.

Die begabtesten Künstler ihrer Zeit

Mit dem Anbruch des zwanzigsten Jahrhunderts wandelten sich Inhalte und Niveau: Es gab Serien wie Winsor McCays „Little Nemo“ (ab 1905), worin Bezug auf Sigmund Freuds Traumanalyse genommen und so ein Bogen zu George Herrimans „Krazy Kat“ (ab 1913) geschlagen wurde. „Krazy Kat“ flirtete hemmungslos mit dem Surrealen und erinnerte dabei in seiner grotesken Absurdität oft an Werke von Samuel Beckett. Ein „an Verrücktheit grenzende(r) Surrealismus“ zeichnete laut Andreas C. Knigge auch Chester Goulds „Dick Tracy“ (ab 1931) aus, der erstmals im Comic Krimi-Themen aufbereitete. Exotischere Schauplätze hielten einhergehend mit inzwischen abenteuerlicheren Geschichten Einzug und etablierten Serien wie Milton Caniffs „Terry and the Pirates“ (ab 1934), deren Schauplatz vornehmlich in den Regionen des pazifischen Ozeans angelegt war. Drei der herausragenden Vertreter des amerikanischen Abenteuer-Zeitungscomics der 1930/40er Jahre waren aber vor allem „Flash Gordon“, „Prinz Eisenherz“ und „Tarzan“. Die titelgebenden Figuren wurden von den begabtesten Künstlern ihrer Zeit in Szene gesetzt: Alex Raymond, Hal Foster und Burne Hogarth.

Opulent: Der Sammelband hat XXL-Format, hier eine Coveransicht.Bild vergrößern
Opulent: Der Sammelband hat XXL-Format, hier eine Coveransicht. - Foto: Panini

Das Aufkommen der Comic Books, die in kleinformatigeren Heften populäre Zeitungscomics zusammengefasst nachdruckten, läutete das nahende Ende des Zeitalters der großen Abenteuer-Comic-Serien in den Zeitungen ein. 1938, nach dem Erscheinen von „Action Comics“, das mit Jerry Siegels und Joe Shusters Superman den ersten Superhelden präsentierte, begann die überwiegende Dominanz dieses Genres am amerikanischen Comic-Markt, die bis heute andauert. Die Zeitungen druckten verstärkt nur mehr komische Strips wie Chic Youngs „Blondie“ (1930) oder Charles M. Schulz´ „Peanuts“ (1950) ab.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später entschloss sich dann ausgerechnet der Verlag DC Comics, bei dem „Action Comics“ übrigens heute noch erscheint, zu einem Revival des abenteuerorientierten und großformatigen Strips in Fortsetzungen. Im Juli 2009 erschien die erste von zwölf Ausgaben der „Wednesday Comics“, die in Zeitungsseitengröße wöchentliche Fortsetzungsabenteuer ihrer Aushängeschilder Superman, Batman und Wonder Woman - nebst denen anderer Figuren - präsentierten. Gestaltet wurden diese von einigen der talentiertesten Künstler der jüngeren Comic-Geschichte.

Bei einem derartig aufwändigen und prominent besetzten Prestige-Projekt bot sich natürlich eine Zweitverwertung durch eine gesammelte Ausgabe an. Daher veröffentlichte DC 2010 eine überformatige Hardcover-Ausgabe, die gegenüber der Originalserie in etwas verkleinerter Form daherkam, dafür aber um zwei Bonusgeschichten erweitert wurde.

Welche Zeichner und Autoren dem Format am besten gewachsen sind, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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