Superheldencomics : Die schnellsten Männer der Welt

Ein Schritt vor und zwei zurück: Die Comicfigur Barry Allen alias „Flash“ starb 1986. Jetzt kehrt der Superheld zurück und will bekannt werden wie „Spider-Man“ - mit großen Plänen für eine Filmkarriere.

Stefan Mesch
Zurück in die Zukunft: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Zurück in die Zukunft: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Illustration: Ethan van Sciver/Panini

„Superman fliegt über unseren Köpfen. Batman hält sich im Schatten. Wonder Woman hält Reden. Und ich? Ich bin der Flash. Ich halte Schritt mit den normalen Leuten“, erklärt Wally West, der vielleicht freundlichste, bescheidenste Superheld im DC-Verlag: Seit er als Kind vom Blitz getroffen wurde, rennt West mit Überschallgeschwindigkeit durch Keystone City, als sonniger, alltäglich-harmloser Freund und Helfer.

Die brave Stadt, der gut gelaunte Held, die infantilen Decknamen der Schurken und die knalligen Primärfarben: Alles sind Echos jener Zeit, als Comics noch für Sechs- bis Zwölfjährige geschrieben wurden. Damals war Wally West der vorlaute Kid Flash und assistierte seinem Onkel, dem Forensiker Barry Allen.

Als dieser ältere Flash, Barry Allen, 1986 starb, markierte Wallys Verlust das Ende einer Ära: Comics wurden klüger und komplexer, aber auch dunkler, blutiger, zynischer – ein jähes, bittersüßes Erwachsenwerden, bis heute Hauptmotiv in Wallys Abenteuern: Der „schnellste Mann der Welt“ steckt noch mit einem Bein in der „guten alten Zeit“.

Um diesen Zwiespalt zu lösen, machte DC-Nostalgiker Geoff Johns 2005 einen rüden Schritt: Er ließ Hal Jordan von den Toten auferstehen, Barrys besten Freund. Als neuer/alter Green Lantern ist Jordan heute, fünf Jahre später, der beliebteste und profitabelste DC-Held nach Batman, ein großer Kinofilm startet im Juli 2011.

Deshalb erfährt jetzt auch die Flash-Familie einen solchen Neustart: Mit Barry Allens mysteriöser Rückkehr müssen sich Wally und die anderen Nachfolger/Erben neu positionieren. Geoff Johns' „Flash: Rebirth“ will die Flash-Welt entstauben und zugleich Einleitung und Startschuss werden für eine neue Serie mit Barry, das große 'Event-Comic' „Flashpoint“ (2011) und einen Kinofilm (2013).

Leider misslingt der Start: Geoff Johns lässt acht (!) verschiedene Flash-Helden durch die Zeiten rasen, macht zwei Schritte vor, aber drei Nostalgie-Schritte zurück. In kräftigen Farben beweist auch Zeichner Ethan Van Sciver Respekt für die Comic-Historie und zeigt Barry und Wally als brave, simple Helden. Der Plot aber bleibt wirr, hektisch und schemenhaft: ein Schnelldurchlauf ohne Kontur.

Geoff Johns (Autor), Ethan Van Sciver (Zeichner): Flash: Rebirth, 156 Seiten, Panini Comics 2010; 16.90 Euro. Leseprobe unter diesem Link.

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