Superheldencomics : Weltbürger Superman

Citizen Kent: Der uramerikanische Comic-Held will seine US-Staatsbürgerschaft abgeben – das können viele Amerikaner nicht verstehen.

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Identitätskrise: Die Schlüsselszene aus der aktuellen Kurzgeschichte.
Identitätskrise: Die Schlüsselszene aus der aktuellen Kurzgeschichte.Foto: DC

Ein dramaturgischer Kniff in einer aktuellen Superman-Erzählung erregt derzeit Comicfans und politische Kommentatoren in den USA: Die uramerikanische Pop-Ikone, Ende der 1930er von Joe Shuster und Jerry Siegel erschaffen und seitdem als Kämpfer für „Wahrheit, Gerechtigkeit und die amerikanische Lebensart“ weltweit zum Markenzeichen geworden, will ihre US-Staatsbürgerschaft abgeben.

„Ich habe die Nase voll davon, dass meine Taten als Instrumente der amerikanischen Regierungspolitik verstanden werden“, lassen Autor David S. Goyer und Zeichner Miguel Sepulveor die Figur in der Kurzgeschichte „The Incident“ im aktuellen Heft 900 der Reihe „Action Comics“ sagen, das diese Woche erschienen ist.

Dafür sei die Welt zu klein und zu vernetzt geworden. Deswegen wolle er vor den Vereinten Nationen sprechen und seine US-Staatsbürgerschaft abgeben. Dann leuchten zwei gespenstisch illuminierte Weltkugeln in den Augen des uramerikanischen Superhelden, der einst aus dem All auf die Erde fiel und als Clark Kent von Adoptiveltern aufgezogen wurde, als sei er nach Jahrzehnten der Loyalität zu seinem Land von einem unheimlichen Weltbürger-Virus befallen.

Auslöser der Episode, die losgelöst von den sonstigen aktuellen Superman-Erzählsträngen für sich steht, war ein Streitgespräch mit dem Nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten, der sich empört hatte, dass Superman an den friedlichen Protesten im Iran teilgenommen hatte - was wiederum von Teheran als feindlicher Akt der USA interpretiert wurde.

„Das Dümmste, was der Verlag tun konnte“

Nicht nur in den einschlägigen Fanforen wird das kontrovers diskutiert, auch politische Kommentatoren äußern Empörung und Zustimmung - je nach politischem Lager.

Jubiläumsheft: Die Ausgabe 900 von "Action Comics".
Jubiläumsheft: Die Ausgabe 900 von "Action Comics".Foto: DC

So schreibt Jonathan V. Last vom konservativen Magazin „The Weekly Standard“, schon aus erzählerischer Sicht sei es „ungefähr das Dümmste, was der DC-Verlag tun konnte“, Supermans Loyalität zu den USA in Frage zu stellen: „Der einzige wirklich interessante Aspekt an Supermans Charakter ist seine komplette Hingabe an Amerika.“ Sollte der Mann aus Stahl nun nur noch ein Weltbürger sein, wäre ihm der zentrale Teil seiner Identität genommen: „Wenn Superman nicht mehr an Amerika glaubt, glaubt er an gar nichts mehr.

„Seinen Wurzeln in Kansas verpflichtet“

In US-Fanforen (zum Beispiel hier) hat das Thema ebenfalls kontroverse Reaktionen provoziert, die mehrheitlich ablehnend sind. Allerdings finden sich auch Leser, die sagen: „Das war höchste Zeit“. Überwiegend sind dort jedoch Stimmen zu  hören, die dem DC-Verlag mit einem Boykott drohen und die Idee vehement ablehnen, ihr Lieblingsheld könnte sich von den USA abwenden. Zugleich hoffen manche, dass der Schritt höchstens vorübergehend sein möge, wie einst bei Captain America, der in den Jahren der Nixon-Ära vorübergehend auf Distanz zu den USA und ihrer Regierung ging. Ebenso war auch Supermans Ableben Anfang der 1990er Jahre nicht von Dauer.

All American Hero: Als Kämpfer für „Wahrheit, Gerechtigkeit und die amerikanische Lebensart“ wurde Superman zur weltweiten Ikone.
All American Hero: Als Kämpfer für „Wahrheit, Gerechtigkeit und die amerikanische Lebensart“ wurde Superman zur weltweiten Ikone.Foto: DC

Der DC-Verlag dürfte sich freuen über den Wirbel, den die Geschichte ausgelöst hat – so viele Exemplare wie diese Woche  dürfte „Action Comics“ lange nicht mehr verkaufen. Zugleich versuchen DC-Herausgeber Jim Lee und Dan DiDio, die Wogen der Empörung ein wenig zu glätten. Superman, so lassen sie verlauten, fühle sich auch weiterhin „seiner angenommenen Heimat und seinen Wurzeln als Bauernjunge aus Smallville in Kansas verpflichtet“.

Mehr zum Thema findet sich u.a. auf dem Blog des Berliner Comicladens Grober Unfug, dem wir die Anregung zu diesem Artikel verdanken.

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