„Tatort“-Jubiläum : Batman lässt grüßen

Seit zehn Jahren ermitteln die Berliner Fernsehkommissare Stark und Ritter. Zum Jubiläum gibt es eine Episode im Mauerpark - und einen Comic, den die Schauspieler selbst gezeichnet haben.

Caroline Bock
Von Gotham inspiriert: Den Comic zum RBB-Tatort-Jubiläum, der in Berlin spielt, haben die beiden Fernsehkommissare Raacke (Text) und Aljinovic (Zeichnungen) geschaffen.
Von Gotham inspiriert: Den Comic zum RBB-Tatort-Jubiläum, der in Berlin spielt, haben die beiden Fernsehkommissare Raacke (Text)...Foto: rbb dpa

Früher hat Kommissar Till Ritter, der Frauenheld mit den Cowboystiefeln, viel geraucht. „Wahnsinn, in jeder zweiten Szene eine Kippe im Mund, das wäre heute völlig unmöglich“, sagt Dominic Raacke (52), der in der Rolle des Berliner Fernsehkommissars in Ehren ergraut ist. Die Stiefel sind in den Schrank gewandert. Die „prollige Extravaganz“ sei der Rolle abhandengekommen, sagt Raacke.

Seit zehn Jahren ermittelt er gemeinsam mit Boris Aljinovic (44) alias Kommissar Felix Stark für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), zuvor war Stefan Jürgens Raackes Partner. In der ersten Folge schnappte der kleine Stark dem großen Ritter den Parkplatz weg. Das war kein Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Abends beim Bier oder am WG-Tisch sitzen: Das überlassen die beiden lieber anderen Fernsehfahndern. Im echten Leben scheint die Chemie aber zu stimmen. So macht das Duo Raacke & Aljinovic zwischendurch auch mal Quatsch, nennt sich „Titten und Quark“ oder „Bitter und Arg“ und hat zum Dienstjubiläum zusammen einen Comic gestaltet - Raacke als Texter, Aljinovic als Zeichner. Die Geschichte ist offensichtlich von einem anderen berühmten Verbrecherjäger inspiriert - Batman lässt grüßen.

In der neuen Folge am 23. Oktober (20.15 Uhr, ARD) - der 25. gemeinsame Fall, also auch hier ein Jubiläum - geht es in den „Mauerpark“, wo früher die Grenze zwischen Ost und West verlief und Berlin noch heute struppig aussieht. Im Park wird die Leiche eines bekannten Berliner Anwalts gefunden. Ein verwirrt wirkender junger Mann (Robert Gwisdek) beobachtet die Kommissare. Der Zuschauer ahnt: Dieser Kaspar-Hauser-Sonderling muss eine zentrale Rolle spielen, ebenso wie das Graffito „G88“, das er an die Wände sprüht.

Der Anwalt hatte - na klar - Feinde. Die Mutter eines ermordeten Jungen nahm es ihm übel, dass er sich für den Täter einsetzte. „Seit wann gelten Menschenrechte für Schweine?“, ärgert sie sich. Ein entlassener Mörder sitzt mit Fußfessel in der Wohnung, vor dem Haus Demonstranten: Wieder einmal gibt sich ein „Tatort“ aktuell. Aber das Thema Sicherungsverwahrung wird eher gestreift.

Autor und Regisseur Heiko Schier schlägt lieber noch einen Bogen in Richtung 80er Jahre, als die Großstadt-Jugend im „Dschungel“ tanzen ging und Clubs noch Discos hießen. Damals wurde der Neffe der Charity-Lady Ina Kilian (Rebecca Immanuel, bekannt aus „Edel & Starck“) entführt. Der Mann, der dafür ins Gefängnis ging, arbeitet heute für ihre Stiftung. Und Kilian hatte eine Zwillingsschwester. Spätestens da wird es verwirrend. Zwillinge und entführte Babys, das ist dann doch etwas dick aufgetragen.

Zum Film passt eine Tasse heißer Tee: Selten hat Berlin so frostig ausgesehen. Für Dominic Raacke waren es die „härtesten, weil kältesten“ Dreharbeiten überhaupt, wie in den Produktionsnotizen zu lesen ist. Der graue Winterhimmel, die teils märchenhaften-surrealistischen Bilder, die Farben wirken wie herausgesogen: Das hat seinen Reiz. Im Drehbuch sollte es laut Raacke sogar einen Langläufer geben, der einen Kasten Bier hinter sich herzieht. Aber der Schnee fehlte. (dpa)

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