Tibet-Drama : Auf dem Pfad der Erleuchtung

Die neue Erzählung des Comic-Veteranen Cosey, „Der Buddha des Himmels“, verbindet Spirituelles, Abenteuer und Romantik zu einer bemerkenswert gelungenen Mischung.

Lars von Törne
Politisches Drama: Szene aus „Der Buddha des Himmels“.
Politisches Drama: Szene aus „Der Buddha des Himmels“.Illustration: Cosey

Sein Thema sind die inneren und äußeren Reisen des Menschen, das ewige Streben nach Erkenntnis. In seiner jüngsten Erzählung, die 2005/6 auf Französisch erschien und jetzt auf Deutsch vorliegt, führt der Schweizer Comicautor Bernard Cosendai alias Cosey seine Leser in die entlegenen Gebirgsregionen Tibets, die bereits seiner autobiographisch geprägten Aussteiger-Serie „Jonathan“ als Kulisse dienten.

Hier trifft der junge Engländer Gifford in den 1950er Jahren auf eine Frau, die als Reinkarnation einer buddhistischen Heiligen verehrt wird. Als chinesische Truppen die Gegend um das lokale Kloster besetzen und versuchen, neben der politischen auch die spirituelle Herrschaft über die Region zu gewinnen, überschlagen sich die Ereignisse.

Vor dem Hintergrund der von Cosey mit eleganten, klaren Linien zu Papier gebrachten Himalaya-Panoramen und angereichert mit farbenfrohen, wenngleich manchmal etwas arg klischeehaft geratenen Impressionen des buddhistischen Klosteralltags entspinnt sich eine Abenteuergeschichte mit politischen, spirituellen und romantischen Facetten.

Klare Linie: Detail der Coverillustration.
Klare Linie: Detail der Coverillustration.Foto: Salleck/Schott

Das ist – was bei Coseys manchmal sehr ins Esoterisch-Philosophierende abschweifenden Werken nicht immer so ist – in diesem Fall trotz gelegentlicher Kitsch-Anwandlungen packend zu lesen und dank der handwerklich makellosen Zeichnungen des seit den 1970er Jahren seinen Stil perfektionierenden Zeichners auch ästhetisch ein Genuss. In ihrer zurückgenommenen Eleganz erinnern die Bilder des inzwischen sechzigjährigen Cosey an Hergés Meisterwerk „Tim in Tibet“ – eine vermeintliche Begegnung mit dem Yeti eingeschlossen.

Cosey: „Der Buddha des Himmels“, Eckart Schott Verlag, 140 Seiten, 29 Euro.

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