Umwelt-Comics : Grün ist die Hoffnung

Umwelt-Dramen, Klima-Thriller: Immer mehr Comics behandeln ökologische Themen. Und das nicht erst seit der Atomkatastrophe von Fukushima.

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Die Natur schlägt zurück: Szene aus der SF-Serie „Carthago“.
Die Natur schlägt zurück: Szene aus der SF-Serie „Carthago“.Foto: Splitter

Grüne Themen im Comic haben derzeit Konjunktur, das zeigte auch der Zeichenwettbewerb des Fumetto-Festivals im Frühjahr in Luzern, der zum Thema „Energie“ ausgerufen wurde. Aber nicht erst seit der Atomkatastrophe von Fukushima im März diesen Jahres erfreuen sich Comics, die ökologische Fragen und Energiethemen behandeln, besonderer Aufmerksamkeit. Derartige Comics hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Bei US-Comics kann die Reihe „Iron Man“ (Marvel) genannt werden. Die High-Tech-Rüstung des gleichnamigen Helden verschlingt viel Energie, die in den Ausgaben der 1980er Jahre mit Kernfusion oder Solarenergie aufgebracht wurde.

Auch Manga-Altmeister Osama Tezuka stellte sich in seiner Science-Fiction-Serie „Astro Boy“ (1952-1968) die Energieerzeugung mittels Kernfusion für seinen titelgebenden Androiden vor. Aus Deutschland stammt die zu Beginn diesen Jahres gestartete Space Opera „Justifiers“ (Knaur) von Jörg Krismann (Adaption), Hannes Radke (Zeichnungen) und Christian Turk (Farben). Die Menschen stoßen darin 3042 auf ein außerirdisches Triebwerk, das auf kalte Fusion angelegt ist und haben ein Wetterkontrollsystem entwickelt.

Andere ökologische Themen erschienen auch schon bei Autoren wie Alan Moore („Saga of the Swamp Thing“, Vertigo) oder Paul Chadwick („Concrete“, Dark Horse), die die Umweltzerstörung aufgreifen. Gegenwärtig behandeln vor allem franko-belgischen Comics ökologische Themen.

Schöne neue Welt: Szene aus der Space Opera „Justifiers“ von Jörg Krismann, Hannes Radke und Christian Turk.
Schöne neue Welt: Szene aus der Space Opera „Justifiers“ von Jörg Krismann, Hannes Radke und Christian Turk.Foto: Knaur

Neben der Häufung fallen ebenso inhaltliche Übereinstimmungen auf. So prognostizieren mehrere Autoren das Aufkommen von ökologisch motivierten Terroristen. In der Near-Future-Serie „Damocles“ (Zack Edition) von Joel Callède (Text) und Alain Henriet (Zeichnungen) will die „Armee von Sherwood“ einen mächtigen Konzernchef zur Nachhaltigkeit zwingen, indem sie dessen Sohn entführen. In der SF-Serie „Carthago“ (Splitter) von Christiophe Bec (Text) und Eric Henninot (Zeichnungen) kämpft die subversive Splittergruppe „Adome“, die unter der Hand von Greenpeace finanziert wird, gegen multinationale Ölkonzerne, die aufgrund der Rohstoffknappheit riskante Offshore-Bohrungen durchführen lassen.

In dem realistischen Öko-Thriller „Eco Warriors“ (Splitter) von Richard Marazano (Text) und Chris Lamquet (Zeichnungen) wird die Aktivistengruppe „No Warriors“ als agile Einsatztruppe dargestellt, die einem Ex-Mitglied, das sich im Regenwald Sumatras um Orang-Utans kümmert, hilft. Ihre ungleichen Gegner sind konkurrierende Pharmakonzerne, die im Wettstreit um ein gewinnverheißendes Medikament selbst vor einem Napalm-Angriff auf den Regenwald nicht Haltmachen.

Öko-Terror: In der Serie „Damocles“ wollen selbst ernannte Weltenretter einen Konzernchef zur Nachhaltigkeit zwingen, indem sie seinen Sohn entführen.
Öko-Terror: In der Serie „Damocles“ wollen selbst ernannte Weltenretter einen Konzernchef zur Nachhaltigkeit zwingen, indem sie...Foto: Zack Edition

In seinem Near-Future-Thriller „Blue Space“ (Zack Edition), den Marazano erneut mit Lamquet inszeniert hat, stellt der Autor das Klima ins Zentrum seiner Geschichte. Im zweiten Teil (der im Zack-Magazin erschien) bekämpft die United Nations Space Agency einen Tropensturm: Implosionsbomben, die im Auge des Zyklons platziert werden müssen, sollen die Energie des Taifuns ins sich zusammenfallen lassen. Die drohende Klimakatastrophe ist damit der zweite Bereich, den eine Gruppe von Comics thematisiert, auch wenn „Blue Space“ das Thema nur indirekt aufgreift. Der Comicautor Leo malt sich die möglichen Folgen des Klimawandels aus. In seinem dystopischen Science-Fiction-Zyklus „Antares“ (Epsilon) ist der Klimakollaps 2196 längst Geschichte: die verbliebenen Tierarten fristen ihr Dasein im Zoo, der Verschmutzungsgrad der Luft und die UV-Strahlungsintensität sind auf einem derart kritischen Niveau, dass die Menschen sich nur kurz ohne Atemschutz an der Erdoberfläche aufhalten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Enki Bilal. In seiner neuen Trilogie (bisher: „Animal‘Z“ und „Julia & Roem“, Ehapa) prognostiziert er nach dem „Blutsturz“ eine postapokalyptische Zukunftswelt: Trinkwasser ist knapp, Naturkatastrophen übersteigen jedes bekannte Maß, die Infrastruktur ist zusammengebrochen, sicher ist nur noch der Transport auf dem Meer.

Hier ist der Blog unseres Autors: marcobehringer.blogspot.com.

Eine Rezension der Manga-Umsetzung des Anti-Atom-Klassikers „Die Wolke“ finden Sie hier.

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