"Unterwegs mit Hector" : Strippenzieher aus dem Off

Ein toter Freund, ein turbulenter Trip, ein erfüllter Traum: Die Graphic Novel "Unterwegs mit Hector" regt kurzweilig zum Nachdenken an.

Ute Friederich
Reduzierter Stil im Dienst der Geschichte: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.
Reduzierter Stil im Dienst der Geschichte: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.Foto: Egmont

Hector ist tot. Und doch schafft er etwas, was ihm in seinem Leben wohl nicht gelungen wäre: Er vereint Polly, Moho und Piter wieder, die sich aus den Augen verloren hatten. Um den letzten Wunsch des Freundes zu erfüllen, machen die drei sich mit einem gemieteten Auto, einem Äffchen im Schlepptau und einer Landkarte im Gepäck auf den Weg, um Hectors Asche an genau der Stelle zu verstreuen, die er auf der Karte markiert hat. Wie die Freunde sich auf dieser Reise wieder näherkommen und was sie in sieben turbulenten Tagen erleben, das erzählt Álvaro Ortiz in wenigen Strichen und warmen Farben.

Die Graphic Novel "Unterwegs mit Hector" ist vom Erzählaufbau her auf den ersten Blick recht konventionell. Das Buch rekapituliert in sieben große Kapiteln jeweils die Ereignisse eines Tages. Unterbrochen wird die Chronologie von Rückblenden, die die Protagonisten vorstellen und erzählen, wie sie sich kennengelernt haben. Dieser Aufbau erzeugt jedoch Spannung, denn das Voranschreiten der Handlung wird immer wieder verzögert. Der reduzierte Stil steht ganz im Dienst der Geschichte.

Als die drei Freunde nach einem turbulenten Trip endlich an der auf der Karte markierten Stelle ankommen, stellen sie fest, dass Hector vor seinem Tod einen gemeinsamen Traum verwirklicht hat. Auf einer einsamen Insel hat er ein baufälliges Haus gekauft und in den "Ort zum Glücklichsein" verwandelt, den Polly, Moho, Piter und Hector an einem Sommerabend vor vielen Jahren gemeinsam ersponnen hatten: das "Hotel Existenz". Inspiriert von einem Roman Paul Austers überlegten die vier Freunde damals, wie es wäre, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und zusammen ein Hotel zu eröffnen, fernab der Zivilisation.

Sieben turbulente Tage: Das Buchcover.
Sieben turbulente Tage: Das Buchcover.Foto: Egmont

Obwohl Hector im gesamten Comic nicht auftritt, ist er der eigentliche Held der Geschichte, denn er hat das gewagt, wovon die Freunde gemeinsam träumten. Er hat sein Leben komplett auf den Kopf gestellt und eine auf den ersten Blick aberwitzige Idee in die Tat umgesetzt. Durch seinen letzten Wunsch erweckt er nicht nur alte Freundschaften zu neuem Leben. Er bietet Polly, Moho und Piter auch die Gelegenheit, es ihm gleichzutun. Wie sich im Laufe der Reise herausstellt, sind die drei nämlich alles andere als glücklich mit ihrem Leben.

Álvaro Ortiz ist ein herrlich kurzweiliger Comic gelungen, der zum Nachdenken anregt - über Freundschaften und die Frage, was man eigentlich aus dem eigenen Leben macht.

Álvaro Ortiz: Unterwegs mit Hector, Egmont, Übersetzung André Höchemer, 184 Seiten, 14,99 Euro.

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