„Valerian und Veronique“ im Kino : Zwei Blumenkinder im Weltall

Die Comicreihe „Valerian und Veronique“ gab dem Science Fiction ab 1967 wichtige Impulse. Jetzt kommt die Adaption „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ins Kino.

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Durch Raum und Zeit: Der Stil der Reihe ist stark von der Ästhetik der späten 1960er und 70er Jahre geprägt.
Durch Raum und Zeit: Der Stil der Reihe ist stark von der Ästhetik der späten 1960er und 70er Jahre geprägt.Foto: (c) Mézières, Christin, Valerian & Veronique (c) Dargaud 2009

Die Suffus können die verführerischste Gestalt annehmen, sehen aber in Wirklichkeit wie schleimige Amöben aus. Die Grunztiere vom Planeten Bluxte können jeden beliebigen Gegenstand endlos oft reproduzieren – äußerst praktisch bei Reisen durchs Weltall, wenn einem das passende Kleingeld fehlt. Und die Zuurspiloten sehen zwar aus wie riesige Quallen, sind aber als telepathisches Medium sehr hilfreich.

Das sind einige der Kreaturen, die das französische Comic-Duo Pierre Christin (Szenario) und Jean-Claude Mézières (Zeichnungen) für die Science-Fiction-Comicreihe „Valerian und Veronique“ erfunden hat. Nun haben diese verrückten Wesen ihren großen Auftritt auf der Kinoleinwand. Und mit ihnen zwei der wichtigsten Figuren, die der französische Comic hervorgebracht hat: Valerian und Laureline, Comiclesern hierzulande dank einer Übersetzerlaune seit 1978 als Valerian und Veronique bekannt.

Die Comics sollen die ersten „Star Wars“-Filme inspiriert haben

Die beiden sind in der fernen Zukunft Agenten des Raum-Zeit-Service und reisen von der Sternen-Hauptstadt Galaxity aus durch ferne Welten, um die ausgefallensten Abenteuer zu bestehen. Die Alben mit ihren Geschichten erreichten Millionenauflagen und wurden in knapp ein Dutzend Sprachen übersetzt, auf Deutsch ist die Gesamtausgabe bei Carlsen erschienen. Am Donnerstag kommt der auf dem Comic basierende Film „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ins Kino, Regisseur ist Luc Besson („Das Fünfte Element“).

Als die Comics, von denen im Laufe der Jahrzehnte 23 Sammelbände veröffentlicht wurden, ab 1967 erstmals in der Comiczeitschrift „Pilote“ erschienen, waren die Ideen und Bilder von Christin und Mézières revolutionär. Psychedelisch anmutende Planetenwelten, denen die Flower-Power-Ästhetik der späten 1960er Jahre anzusehen ist, ferne Zivilisationen in akribischen und doch spielerisch anmutenden Zeichnungen ausgestaltet, fantastische Kreaturen in allen erdenklichen Formen und Farben, die auch die ersten „Star Wars“-Filme inspiriert haben sollen.

Im Reich der Schattenmenschen: Eine Episode, die auch den aktuellen Kinofilm inspiriert hat,
Im Reich der Schattenmenschen: Eine Episode, die auch den aktuellen Kinofilm inspiriert hat,Foto: (c) Mézières, Christin, Valerian & Veronique (c) Dargaud 2009

Dazu eine Handlung mit modernen, bemerkenswert politischen Inhalten. So lässt sich der Band „Botschafter der Schatten“ von 1975, der als eine der direkten Inspirationsquellen des aktuellen Kinofilms gilt, als Parabel auf Kolonialismus und Rassismus lesen. Auch die Rollenverteilung der beiden Hauptfiguren war damals durchaus modern, ist doch oftmals Laureline die mutigere, klügere und aktivere im Duo.

„Diese Comics waren meine einzige Flucht, ein Fenster ins All“, erinnert sich Regisseur Luc Besson - hier gibt es das ganze Interview mit ihm. Es ist zu hoffen, dass jetzt, angeregt durch den Kinofilm, eine neue Generation von Lesern diesen Klassiker neu entdeckt.

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