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Vampir-Western : Amerikanische Blutsauger

15.03.2010 16:21 UhrVon Lutz Göllner
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Vampire und Pioniere. "American Vampire" ist im Wilden Westen angesiedelt. - Illustration: Rafael Albuquerque/Vertigo

Stephen King schreibt einen Fortsetzungscomic – und wird immer politischer.

Eigentlich wollte Stephen King nach seinem 60. Geburtstag 2007 etwas kürzer treten. Keine zwei oder mehr Romane pro Jahr, keine Cameos in Filmen und nur noch wenige Auftritte mit seiner Band Rock Bottom Remainders. Aber der momentane Boom der Horrorliteratur, speziell der Erfolg seiner Intimfeindin Stephenie Meyer („Die kann nichts!“) mit ihren kitschigen „Twilight“-Romanen, ließen King wohl keine Ruhe: Am Donnerstag erscheint in den USA die erste Ausgabe von „American Vampire“, die Geschichte eines Outlaws im Wilden Westen, der zum Vampir wird. Gleichzeitig aber ist „American Vampire“ die Rückkehr zu einer Literaturform, die King seit 1982 nicht mehr beackert hat: zum Comic.

Weder Vampire noch Comics sind für King neu. Bereits sein zweiter Roman „Brennen muss Salem“ aus dem Jahr 1975 war eine Dracula-Paraphrase. „Ich nahm Bram Stokers Dracula als Ball und probierte aus, wie oft ich ihn an die Wand donnern konnte“, erklärte King damals. Und die Episoden, die der Meister des Horrors 1982 für den George-Romero-Film „Creepshow“ geschrieben hatte, wurden noch im selben Jahr von dem Ausnahmekünstler Bernie Wrightson in Comicform gebracht;

Literaturdienst - Stephen KingBild vergrößern
Comicfan. Stephen King hat bereits mehrere seiner Romane als Graphic Novels adaptieren lassen. Jetzt schreibt er selbst den Text zum Comic. - Foto: Hubert Boesl, dpa

ein mittlerweile gesuchtes Sammlerstück. Der Verlag Marvel, Heimat von Ikonen wie Spider-Man und den X-Men, hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich Stoffe von Stephen King adaptiert.

Allerdings wurde „Der dunkle Turm“ (deutsch bei Heyne) von Kings „persönlicher Recherche-Assistentin“ Robin Furth geschrieben, „The Stand“ (deutsch ab Ende März bei Panini) stammte vom Drehbuchautoren Roberto Aguirre-Sacassa. Mit „American Vampire“ hat nun ausgerechnet Marvels große Konkurrenz DC („Superman“, „Batman“) einen Coup gelandet. Denn auch wenn das Konzept der Serie von Kings Kumpel Scott Snyder ausgedacht wurde, zumindest in den ersten fünf Heften schreibt der Meister selbst. Angekündigt ist eine Geschichte aus den Pioniertagen der USA. Skinner Sweet ist ein Vampir, der einsam durch den Westen zieht, bis er auf eine Familie von anderen Vampiren trifft, die einen Fluss anstauen und eine neue Stadt gründen wollen.

„Das sind wirklich Vampire als amerikanische Kapitalisten, die vollkommen verrückt sind“, beschreibt King sein Konzept der Bloggerin Shannon Donelly. Überhaupt hat King wohl gerade das Politische im Horror gefunden; sein neuester Roman „Die Arena“ kann auch als wütende Abrechnung mit der Ära Bush gelesen werden. Nach diesem ersten Handlungsbogen wird Scott Snyder die Geschichte von Sweets Vampirclan weitererzählen und dabei eine Rundfahrt durch die Geschichte der USA machen.

Begeistert ist King von der Form des Comics als Serie. Bereits seit frühester Jugend war der Meister des Makabren ein

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Bissfest. Diese Woche erscheint der erste Band der neuen Reihe.

Bewunderer von Charles Dickens und dessen damaligen Fortsetzungsromanen, 1996 hat er sich mit „The Green Mile“ selbst an diesem Genre versucht. „Fortsetzungen haben einen eigenen Rhythmus, dem man sich anpassen muss“, sagt King. Und auch in anderer Beziehung muss sich King anpassen: Mark Doyle, der Redakteur von „American Vampire“ schickte Kings ersten Entwurf an den Meister zurück, mit der Begründung: „diese Gedankenballons in Wölkchenform werden in modernen Comics nicht mehr benutzt. Wenn die Figuren etwas zu sagen haben, reden sie, wenn sie denken, erzählt man das in einer Box.“

American Vampire Erscheint Ende des Jahres auf Deutsch. Mehr zur Serie und eine Leseprobe gibt es unter diesem Link, zur Website des Verlages Vertigo geht es hier - und die Website von Stephen King findet sich hier.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel am 16. März 2010)

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