Veranstaltung : Mickey and me

Am Sonntag fand zum zweiten Mal die Berliner Comicbörse statt. Organisator Carsten Laqua hat sich weltweit einen Namen als Händler einzigartiger Originale gemacht

Lars von Törne
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Ein-Mann-Comicimperium. Carsten Laqua in seinem Arbeitszimmer in Berlin-Lankwitz.Foto: Thilo Rückeis

Von so einem Arbeitszimmer träumen Comicfans. Auf dem Schreibtisch von Carsten Laqua stapeln sich wertvolle Originale von Disney-Zeichnern wie Don Rosa, großformatige Prinz-Eisenherz-Zeitungscomics und andere Unikate aus vergangenen Jahrzehnten, für die Sammler Tausende, manchmal Zehntausende zahlen – pro Seite. Die Bücherregale quellen über vor Fachliteratur, Comicheften und illustrierten Büchern aus den vergangenen 100 Jahren. Und an der Wand hängt das wohl einzig unbeschädigt erhaltene Poster des ersten in Deutschland gezeigten Micky-Maus-Zeichentrickfilms von 1934, auf dessen unterer Ecke ein Enterich mit Matrosenmütze zu sehen ist: Donald Ducks erster öffentlicher Auftritt in Deutschland, dessen Wert ebenfalls im fünfstelligen Bereich liegen dürfte.

In diesem kleinen Büro in Lankwitz laufen die Fäden eines weltweit vernetzten Comicimperiums zusammen. Carsten Laqua, 48 Jahre alt und seit Studententagen im Comichandel, ist einer der wichtigsten und vor allem vielseitigsten Händler für derartige Originalzeichnungen in der westlichen Welt. Dank guter, oft freundschaftlicher Kontakte zu Zeichnern und anderen Händlern in Europa und Nordamerika versorgt er seit Jahren Sammler in Frankreich, Italien, USA oder Deutschland mit Originalen von klassischen Künstlern wie Hergé (Tim und Struppi), Carl Barks (Donald Duck) oder Charles M. Schulz (Peanuts), aber auch von deutschen Zeitgenossen wie Ralf König, Volker Reiche oder Gottfried Helnwein.

Henk Kuijpers, Fil, Ulli Lust und Reinhard Kleist sind angekündigt

Seit Beginn des Jahres schlüpft Laqua, der sich auch als Comicforscher und Organisator von Ausstellungen einen Namen gemacht hat, hin und wieder in eine weitere Rolle: Der studierte Ökonom und Publizist ist der Organisator der größten Berliner Veranstaltung in diesem Bereich, der Berliner Comicbörse.

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Tür an Tür mit Prinz Eisenherz. Carsten Laqua mit einer wertvollen Originalzeichnung der klassischen Zeitungsstrips.Foto: Thilo Rückeis

Im Frühjahr fand sie zum ersten Mal mit knapp 1000 Besuchern in den historischen Räumen des Hotels Ellington unweit des KaDeWe statt (mehr dazu hier). An diesem Sonntag werden erneut Dutzende Händler, Zeichner und Verlage aus Deutschland und Europa die Berliner Fans der sequenziellen Kunst mit Nachschub versorgen.

Die Idee entwickelte Laqua zusammen mit den Betreibern des Comicladens „Toyboxx“, der an der Nürnberger Straße gegenüber vom Ellington-Hotel liegt. Zwar gab es ähnliche Comicmessen in Berlin seit den 70er Jahren immer wieder, aber die Veranstalter hielten meist nicht lange durch, da so etwas kaum rentabel ist und oft amateurhaft organisiert war, wie Laqua sagt. Also entschloss sich Laqua, den Beweis anzutreten, dass man das auch professioneller aufziehen kann – und zwar in einem stilvollen Rahmen. Den fanden er und seine Mitstreiter in dem um 1930 erbauten, für seine markante Fassade bekannten Ellington-Hotel (einst „Haus Nürnberg“), in dem in früheren Epochen Louis Armstrong und Ella Fitzgerald, David Bowie und Romy Haag gastiert haben sollen.

Laquas Traum ist, dass eines Tages auch die Stadt Berlin die Bedeutung der Comicszene für Wirtschaft und Kultur der Stadt erkennt, so wie in München, wo das dortige Comicfest jährlich fünfstellige Zuschüsse von der Stadt bekomme. Bis dahin locken Laqua und Co. mit namhaften Gästen, die auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche neben den ungezählten Heften und Büchern das Publikum anziehen sollen. So kommt am Sonntag der holländische Zeichner Henk Kuijpers, von dem die Abenteuerserie „Franka“ stammt, zum Signieren, auch die Berliner Szene-Stars Fil (Didi & Stulle), Ulli Lust („Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“) und Reinhard Kleist (Havanna, Cash) sind angekündigt. Nur Laquas Originalzeichnungen bleiben zu Hause. Die sind für so einen Massenauflauf dann doch zu wertvoll.

Berliner Comicbörse am 15. November von 10 bis 16 Uhr im Ellington-Hotel, Nürnberger Straße 50–55, Charlottenburg. Mehr im Internet unter www.berliner-comicboerse.de und www.galerielaqua.de.

(Aus dem gedruckten Tagesspiegel vom 14. November 2009)

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