Webcomic „Survivor Girl“ : Wer zuletzt lacht

Schnell, schmutzig, schwarzweiß – und witzig. „Survivor Girl“ von Christopher Tauber und Ingo Römling ist gleichermaßen Satire wie Hommage an B-Movie-Horror und „Mad“ . Ein Gespräch über Humor und Grauen, Karikaturen und Salz im Kaffee.

Björn Bischoff
Krakkk, Yaaaa, Keuch: Der aktuelle Strip.
Krakkk, Yaaaa, Keuch: Der aktuelle Strip.Foto: Tauber/Römling

Der erste Eindruck hat getäuscht. „Das ist bestimmt ein arroganter Arsch, der so geil zeichnen kann.“ Das waren die Gedanken, die Christopher „Piwi“ Tauber vor knapp fünf Jahren bei seiner Lesung in Frankfurt durch den Kopf gingen, als ihm der Besitzer des Comicladens „T3 Terminal Entertainment“ den Band „Varieté Obscur“ zeigte – gezeichnet von Ingo Römling. „Dann stand aber der Ingo vor mir und ich habe das gar nicht zusammengekriegt, weil der so nett zu mir war“, sagt Tauber heute.

Nach dem ersten Kontakt folgt wenig später eine zweite Lesung von Tauber im Museum für Kommunikation, wo sich das Duo annähert. Die Veranstaltung führt letztendlich zum Webcomic „Survivor Girl“ (und war laut Tauber und Römling zufällig auch die Geburtsstunde des Erfolgscomics „Die Toten“). So einfach und unkompliziert war das. Und nun wohnen Phoebe und Helmut, die beiden Hauptfiguren des Webcomics, zusammen: Survivor Girl und Serienkiller in vier Wänden.

In bis zu fünf Panels pro Episode geht die Geschichte in unregelmäßigen Abständen im Netz weiter, voll mit Anspielungen auf Horrorfilme und Popkultur. Neben Horror-Ikonen wie Freddie Krueger  aus der „Nightmare“-Filmreihe behandeln die beiden Zeichner den Hype um Zombies und Vampire. Oder auch das Subgenre „Found Footage“, wo zufällig gefundene Videos mit beängstigend-verstörendem Material Grundlage des jeweiligen Horrorfilms sind. „Da saß ich einfach da, habe einen geguckt und gedacht: Dieser scheißlangweilige Paranormal-Activity-Müll. Da muss ich jetzt unbedingt was zu schreiben. Und dann geht es los. Ich schreibe fünf, sechs Folgen am Stück, schicke sie dann Ingo. Und kurze Zeit später tröpfeln die Sachen dann wieder so bei mir ein“, sagt Tauber. Allerdings kommt es heute noch oft vor, dass beide Zeichner zusammensitzen und sich Ideen zuwerfen, weiterentwickeln und verspinnen. „Wie das dann auf die Pointe hinsteuert, habe ich meistens vor Augen“, sagt Römling.

Alltäglicher Horror: Ein Strip vom vergangenen Monat.
Alltäglicher Horror: Ein Strip vom vergangenen Monat.Foto: Tauber/Römling

Dabei durchzieht ihren Humor und ihren Webcomic ein ganz bestimmter Geist. Denn Tauber und Römling sind beide große Verehrer der Zeitschrift „Mad“. „Dieses Anarchische, das wollten wir in diesen Comic-Strip mit reinnehmen und auch Filme durch den Kakao ziehen. Christopher ist ein wandelndes Lexikon was die B-Movie-Horror-Trash-Szene angeht und hat da ein irrsinniges Wissen. Er sprüht da vor Ideen. So hat es sich eigentlich von alleine ergeben, dass wir das gemacht haben“, sagt Römling. Die Figuren entstanden schnell, es war klar, dass das Survivor Girl eine wichtige Rolle übernimmt – jene Figur, die bei den meisten Horrorfilmen das große Schlachten bis zum Ende überlebt.

„Es heißt ja nicht, wenn man jemanden karikiert, dass man den doof findet oder ihm schaden möchte“, sagen sie. Beide Zeichner erheben sich nicht über den Gegenstand ihrer Satire, sondern sind einfach Fans. Was eine gute Parodie ausmacht? „So ein bisschen Hirn ist nicht schlecht und viel Herz. Ein bisschen was zum Nachdenken – aber nur ein bisschen. Wie so eine Prise Salz im Kaffee.“

Abwegig war es für das Duo nicht, Horror und Humor zu verbinden. Im Gegenteil. Beides liegt nach ihrem Verständnis  eng beieinander. Die befreiende Komik ist ein wichtiges Mittel, um Spannung zu erzeugen. „Das ist für die Dramaturgie beim Horror sehr wichtig“, sagt Tauber. Römling ergänzt: „Das ist etwas, das jemand wie Steven Spielberg sehr früh verstanden hat.“ Vieles nimmt sich aus ihrer Sicht einfach zu ernst.

Dieser Freiheit in der Herangehensweise kommt die Veröffentlichung als Webcomic sehr entgegen. Denn so setzen sich die beiden Zeichner keinem Veröffentlichungszwang aus. Römling: „Was wir wollten, sollte so anarchisch wie möglich sein. Da ist eigentlich das Web die einzige Plattform, weil Du da komplett frei bist.“ Hier machen zwei Zeichner einfach das, worauf sie am meisten Lust haben und lassen den Rest der Welt zufällig daran teilhaben – die ersten Kapitel sind mittlerweile in einem kleinformatigen Heft erschienen. „Wir setzen uns jetzt hier keine künstlichen Regeln oder Schranken.“

Und genau das macht den Reiz bei „Survivor Girl“ aus. Selbst wer sich nicht groß mit Horrorfilmen auskennt, versteht viele der Pointen. Und merkt trotzdem, dass Tauber und Römling nicht nur die Parodie, sondern auch das Genre lieben. Da steckt eben wirklich Herz und Hirn drin. In manchen Panels sogar wortwörtlich.

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