Webcomic „The Oatmeal“ : Putz die Zähne, wenn das Haus brennt

Der Webcomic „The Oatmeal“ hat zu fast allem eine Meinung – und Millionen Leser lieben ihn dafür. Inzwischen gibt es die Eisner-Award-prämierten Comics auch auch in gedruckter Form auf Deutsch.

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Für einen Eisner-Award nominiert: Drei Panels aus dem Comic „When your house is burning down, you should brush your teeth“.
Für einen Eisner-Award nominiert: Drei Panels aus dem Comic „When your house is burning down, you should brush your teeth“.Foto: The Oatmeal

Warum man auf einem Eisbären zur Arbeit reiten sollte, wie man perfekt einen Geschirrspüler einräumt, woran man merkt, das die eigenen Freunde einen aufessen wollen und wie man seine Haustiere auf den Krieg vorbereitet – dies sind die Fragen, die Matthew Inman tagtäglich so durch den Kopf gehen. Seit 2009 gibt der amerikanische Zeichner in Form des Webcomics „The Oatmeal“ regelmäßig sehr originelle Antworten auf diese und viele andere Fragen, mal absurd, mal bitterböse, häufig sehr persönlich und fast immer überspitzt.

Ein Webcomic entert die Bestseller-Liste der New York Times

So speziell diese Themen auf den ersten Blick wirken, The Oatmeal erreicht damit ein Millionen-Publikum: Fünf Sammelbände mit den besten Storys wurden bereits veröffentlicht, einer davon – auf Deutsch unter dem Titel „Woran du erkennst, dass deine Katze deinen Tod plant“ veröffentlicht – stand wochenlang auf Platz eins der New-York-Times-Bestsellerliste. Drei Oatmeal-Bücher sind bislang auf deutsch veröffentlicht worden, zuletzt das 2014 erschienene „Warum Grizzlybären immer Unterhosen tragen sollten“. Ebenfalls in diesem Jahr wurde Inman auch von höchster Stelle geadelt: The Oatmeal erhielt einen Eisner Award für den besten Webcomic.

Dabei waren die Comics ursprünglich nur als Aufhübschung für eine von Inman programmierte Dating-Plattform gedacht: Als Werbemaßnahme begann er die Webseite mit selbstgezeichneten Comics zu bestücken, die jedoch rasch ein Eigenleben entwickelten – The Oatmeal war geboren.

Von Nikola Tesla, Smartphones und Katzen

Es ist nicht ganz einfach, das Geheimnis des Erfolges von The Oatmeal zu erklären, denn das Spektrum von Inmans Themen wirkt auf den ersten Blick etwas chaotisch: Da wird gezeigt, wie das merkwürdige Liebesleben des Anglerfisches aussieht, wie sich Inmans Handschrift seit dem Kindergarten verändert hat, warum Nikola Tesla der größte Geek war, der jemals gelebt hat, warum jedes Essen mit Sirarcha-Soße besser schmeckt, wie es ist, ein Apple-Produkt zu besitzen, usw. …

Ernsthafter sind die autobiografischen Geschichten, insbesondere der für einen Eisner-Award nominierte Comic „When your house is burning down, you should brush your teeth“, in dem Inman erzählt, wie er als Kind mit seiner Familie aus einem brennenden Haus flüchten musste, wobei fast alle seiner acht Katzen das Leben verloren.

Auch die Formen, der Inman seine nerdigen Beobachtungen und Erfahrungen aufzeichnet, variieren stark: Info-Grafiken, einseitige Cartoons, lange Kurzgeschichten, manchmal farbig, manchmal schwarz-weiß. Bisweilen verzichtet Inman auch größtenteils auf Bilder und verfasst Blog-artige Essays.

Genial trivial

Vielleicht ist es gerade diese inhaltlich und formal kurzweilige Mischung aus Trivialität, alltäglichen Erfahrungen und autobiographischer Reflexion, mit der sich Inman in die Herzen seiner Leser geschrieben hat. Eine Mischung, die nicht selten an die ähnlich großartigen „Arbeit/Liebe/Schule ist die Hölle“-Comics von Matt Groening erinnern. Vorbild für Inman war nach eigener Aussage Gary Larsons Kult-Strip „The Far Side“.

Es ist egal, ob man The Oatmeal im Internet oder als Sammelband liest, der Spaß ist in beiden Fällen derselbe. Der Vorteil der gedruckten Version: Das Buch ist irgendwann zu Ende und es besteht keine Gefahr, stundenlang weiterzuklicken um den nächsten Comic über Dinge zu lesen, die Sie schon immer wissen wollten, nach denen zu fragen Ihnen aber nie einfiel. 

The Oatmeal: Warum Grizzlybären immer Unterhosen tragen sollten, 168 Seiten, Wiley, 12,99 Euro 

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