WESTERN-KLASSIKER : Rauchende Colts

Man kennt Lucky Luke als Gentleman des Wilden Westens. Ein neu aufgelegtes frühes Abenteuer des einsamen Cowboys wird manchen Fan allerdings schockieren.

Jan Oberländer
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Stilles Wasser. So friedlich wie auf diesem Bild war Lucky Luke nicht immer. Vor allem nicht am Anfang seiner Karriere.Illustrationen: Morris / Promo

Lucky Luke ist ein strahlender Westernheld. Ein Künstler am Colt. Kein Killer. Der Comic-Cowboy schießt den Desperados die Revolver aus den Händen, während sein Schatten an der Wand sich noch seelenruhig eine Zigarette dreht.

Die gerade bei Ehapa erschienene Geschichte „Lucky Luke gegen Phil Steel“ muss Fans allerdings schockieren. Denn in dem 1954 erstveröffentlichten und nun nach über einem halben Jahrhundert neu aufgelegten Band zieht der von dem belgischen Zeichner Morris geschaffene Held nicht bloß schneller als sein Schatten. Er zielt auf Menschen.

In einer für zart besaitete Leser geradezu bestürzenden Panelfolge schießt Luke auf Phil Steel, der Getroffene greift sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust und fällt, die Beine weit von sich gestreckt, in den Staub. Luke pustet den Rauch von seiner Waffe.

Alle abknallen!

Der lässig umgenietete Titelschurke ist dann ein paar Bilder später doch nicht tot, sondern nur berufsunfähig – „die Schulter ist hin.“ Und er hat ja auch im Auftrag des bösen Saloon-Besitzers den guten Saloon-Besitzer terrorisiert und somit eine nach Wildwest-Maßstäben ganz und gar gerechte Quittung kassiert.

Trotzdem - diese Szene ist ein brutaler Missklang im Lucky-Luke-Universum – von der im gleichen Band enthaltenen Kurzgeschichte „Lucky Luke und Pille“ gar nicht zu reden, in der zwar nicht Luke selbst, dafür aber der Brillenträger „Pille“ eine ganze Bande Gesetzloser einen nach den anderen regelrecht abknallt.

Dagegen speist sich der augenzwinkernde Witz der späteren Lucky-Luke-Abenteuer gerade auch daraus, dass Luke seine Fähigkeiten als Kunstschütze eher sportlich, eher zu Abschreckungszwecken einsetzt. Anstatt ihnen eine Kugel zwischen die Rippen zu jagen, löst er seinen Gegnern mit ein paar wohl platzierten Schüssen die Hosenträger. Oder, cooler, er wirft einen Geldschein in die Luft, ballert ein paar Mal hinterher, und die kleinlaut gewordenen Ganoven können das heruntergefallene Kleingeld aufsammeln. Colt mit Köpfchen also.

Der Zeichner übt noch

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Schneller als sein Schatten. »Lucky Luke gegen Phil Steel« ist das einzige Abenteuer des Cowboys, in dem er seinen Revolver nicht...

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