Zeitungscomic : Mit Hergé in der Neuen Welt

Newcomer mit klarem Strich: Der Zeitungscomic „Das Tagebuch des Ricardo Castillo“ huldigt klassischen Vorbildern.

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Zwischen Spannung und Humor: Eine Szene aus „Ricardo Castillo“.
Zwischen Spannung und Humor: Eine Szene aus „Ricardo Castillo“.Illustration: Brodhecker/Martinez

Als ich begann, Zeitung zu lesen, war es eigentlich klar: Zu einer Zeitung oder Zeitschrift gehört auch ein Comic-Strip, egal ob das nun die „Peanuts“ oder „Willi Wacker“ waren, Strips waren leserbindend.

Sieben Jahre lang hat Volker Reiches „Strizz“ täglich das Feuilleton der „FAZ“ bereichert und quasi eine Chronik der Berliner Republik abgeliefert. In den letzten beiden Jahren wurde die Erscheinungsweise auf wöchentlich umgestellt, bis die Reihe dann zum Ende vergangenen Jahres eingestellt wurde (mehr dazu hier).

Nachfolger von Reiche wurden zunächst die besten Comiczeichner des Landes, die sich regelmäßig ablösten: Ralf König, Flix und Ulf K. Umso erstaunlicher die Entscheidung der „FAZ“-Redaktion Anfang des Jahres, zwei vollkommenen Newcomern das Feld zu überlassen: Seit dem 4. Januar läuft „Das Tagebuch des Ricardo Castillo“ von Gunther Brodhecker (Text) und Alexis Martinez (Zeichnungen), eine klassische Abenteuergeschichte ganz im Stil der Ligne Claire.

Die Geschichte geht um einen spanischen Juden, der von der Inquisition verfolgt in den Kolonien der Neuen Welt landet. Die beiden Schöpfer des „Ricardo Castillo“ haben ihre Vorbilder Hergé („Tim und Struppi“) und Yves Chaland sehr gut studiert, denn wie bei den Klassikern herrscht auch hier eine Atmosphäre, die gekonnt immer wieder zwischen den Polen Spannung und Humor pendelt.

Den typischen Anfängerfehler, dem bildlichen Medium nicht zu vertrauen und den Strip mit Text zuzukleistern, kann man bei so viel Enthusiasmus und Spaß am Fabulieren locker entschuldigen.

Spaß am Fabulieren: Zeichner Alexis Martinez (links) und Autor Gunther Brodhecker.
Spaß am Fabulieren: Zeichner Alexis Martinez (links) und Autor Gunther Brodhecker.Foto: Promo

Ein gedrucktes Produkt existiert zwar leider noch nicht, doch man kann die gesamten Strips auf der „FAZ“-Seite www.faz.net nachlesen, mehr Informationen gibt es unter www.ricardo-castillo.de. Ganz tief hinein in die Welt des 18 Jahrhunderts führt der Facebook-Auftritt.

Mehr zum Thema gibt es in der aktuellen Ausgabe der Berliner Stadtzeitschrift „zitty“, aus der auch dieser Text stammt. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Zweitveröffentlichung!

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