Kultur : CONSTANZE BECKER

Frederik Hanssen

Wäre Constanze Becker Sängerin geworden, sie würde Mezzosopran singen. Mit raunend-sinnlicher Vieldeutigkeit im tiefen Register, mit dramatischer Attacke in der Mittellage und vokalem Metall in der Höhe. Eine künftige Hochdramatische. Andres Veiels Film „Die Spielwütigen“ hat Constanze Becker bekannt gemacht. Und schon hier, in der Dokumentation über vier Schauspielstudenten, war sie die Ernste, von innen Leuchtende, die mit erhobenem Haupt vorwärtsschritt, weil für sie Kunst von Müssen kommt. Ja, sie ist besessen vom Theater, sagt die 1978 geborene Lübeckerin – seit sie, zwölfjährig, in Hamburg Robert Wilsons „Black Rider“ erlebte. Jugendliche Liebhaberin wollte sie nie sein, die gebrochenen Charaktere haben sie viel mehr interessiert. In Anna Badoras Inszenierung von Tschechows „Kirschgarten“ am Düsseldorfer Schauspielhaus war sie als Warja ganz bei sich, ein stummer Schrei der Sehnsucht jede ihrer Bewegungen. Ihr Debüt als Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin gab Constanze Becker in Michael Thalheimers radikaler „Orestie“-Verknappung. Als Klytaimnestra übergießt sie sich mit Blut, mit Bier – und tut dann, was ihr als höchstes Ziel erscheint: ohne Requisiten, ohne Bühnenbrimborium „mit den Mitteln des Schauspielers etwas darstellen“. Was kann für eine 28-Jährige danach noch kommen? Brünnhilde natürlich, die stärkste aller liebenden Frauen. Die gibt es ja zum Glück nicht nur von Richard Wagner, sondern auch von Hebbel. Und von Moritz Rinke.

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