CONTEMPORARY FINE ARTS : Tal R

Jens Hinrichsen

Bloß nichts wegwerfen! Tal Rosenzweig alias Tal R fällt es schwer, seine Berge aus Zeitschriften abzutragen. Eine besondere Strategie lindert den Trennungsschmerz: Der 1967 in Tel Aviv geborene Künstler versteht seine Werke als „Kolbojnik“, wie man im Kibbuz den Abfalleimer nennt. So gesehen recycelt Tal R bei Contemporary Fine Arts Papiermüll, doch wäre das zu grob gesagt. Derart kunstvoll gewobene Collagen hat man selten gesehen: Teppiche aus Papier, Folie, Glitzerpartikeln, Mal- und Sprühfarbe mit dem wehmütigem Titel „Adieu Interessant“.

Tal R collagiert, fotografiert, zeichnet und näht, sein Kernmedium war und ist jedoch die Malerei. Die Lust am Material zähmt der Künstler durch strengen Bildaufbau: Der schmale Sockelstreifen ist bemalt, zur ebenso schmalen Himmelszone hin lockert sich das Bildgewebe auf. Im Mittelstück herrscht pralles Leben. Hier breitet sich ein Strahlenkranz aus farbigen Papier- und Folienstreifen aus. Alle neun Bilder zeigen dieses dominante Motiv – barocker Heiligenschein, Tiefensog und Explosion zugleich. Drumherum das Bildgewölk der Zeitschriftenmotive: Comics, Mobiliar, ausbrechende Vulkane, Geishas und Pornografie. Die vielen Kreisbewegungen erinnern an Riesenräder, die tatsächlich den ersten Anstoß für die Serie gaben. Auf dem Jahrmarkt dreht sich freilich immer nur ein Riesenrad, während bei CFA gleich neun davon aufgefahren sind. Trotz Farbvariation wirkt diese Wiederholung ein wenig eintönig. Ein Hauch von Enttäuschung liegt in der Luft, in den wuchtigen Räumen des neuen Galeriehauses vis-à-vis der Museumsinsel. Jens Hinrichsen

Galerie CFA, Am Kupfergraben 10; bis 14.6., Di.–Fr. 11–18 Uhr, Sa. 11–16 Uhr.

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