Kultur : Cosi fan tutte: So machen es doch alle

Hagen Kohn

Im Rachen des Wolfes: So ähnlich könnte man die Situation eines jungen Opernensembles im kultursatten Berlin beschreiben. Inboccallupo hingegen zeigen im Saalbau Neukölln, wie man auch mit bescheidenen Mitteln Mozarts Cosi fan tutte beeindruckend inszenieren kann (wieder heute und am 28. 2., 19 Uhr). Die amüsante Verwechslungs-Oper scheint wie geschaffen für ein junges, experimentierfreudiges Ensemble: Fiordiligi und Dorabella werden von ihren Verlobten Guglielmo (Bartlomiej Misiuda) und Ferrando (Kim Schrader) einer harten Prüfung unterzogen. Von Don Alfonso, für den weibliche Treue nicht mehr als ein Hirngespinst der Männer ist, lassen sie sich im Überschwang der Verliebtheit zu einer Wette überreden. Unter dem Vorwand, in den Krieg ziehen zu müssen, nehmen sie in einem wunderschön gesungenen Quartett Abschied, kehren jedoch alsbald zurück, um in grotesker Verkleidung die Treue der beiden Damen auf die Probe zu stellen. Fiordiligi (Annette Dasch) beweist in einer grandiosen Arie ihre Standhaftigkeit, während Dorabella (Kristina Naude) sich schon bald von ihrem vermeintlichen Verehrer einwickeln lässt. Angestachelt von der aufgedrehten Zofe Despina (hinreißend gespielt von Bin Lee), muss aber auch Fiordiligi schließlich vor den Schmeicheleien ihres Kavaliers kapitulieren. Alfonso (Erik Nelson Werner) rät ihnen, die Damen kurzerhand zu heiraten - so machen es doch alle! Vor allem in den Rezitativen zeigt sich das komödiantische Talent der Darsteller, manchmal hart an der Grenze zum Klamauk. Dirigent Andreas Schüller hat das spielfreudige Ensemble fest im Griff. Einziger Wermutstropfen: Da Pontes Libretto erklang leider nicht im italienischen Original. Durchaus legitim - aber "Soave sia il vento" klingt doch einfach schön, oder?

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