Kultur : Coup der Drillinge

Martenstein will keine Nonne sein

-

Zuerst wollte ich in den Film mit Charlotte Gainsbourg. Ich war aber eine Minute zu spät, und sie lassen dann keinen mehr rein. Da bin ich in den Film, in dem eine spanische Ex-Nonne erzählte, was sie in ihrer Jugend als Aktivnonne erlebt hat. Wenn sie etwas Unreines gesagt oder gedacht hatte, musste sie mit der Zunge den Boden des Klosters sauberlecken. Falls ich vor meiner nächsten Geburt endlich mal gefragt werde, wäre ich trotz der Romane von Michel Houellebecq doch etwas lieber das Kind von 68ern als das Kind von Strengkatholiken.

Danach wurde ein Film über Lesben auf der Insel Jersey gezeigt. Ich möchte die Bewohner von Jersey nicht diskriminieren. Trotzdem scheint die Kombination Lesben / Jersey irgendwie nicht das Richtige für mich zu sein. Einen Film über Lesben auf Bali oder über Fußball auf Jersey würde ich bis zum Ende anschauen, hier aber bin ich raus und landete in einem Film über Kinder in den USA. Darin war zuerst zehn Minuten lang ein verschneiter Wald zu sehen. Danach sah man zehn Minuten lang ein Mädchen, das auf einer Wiese ein Buch liest. Danach spielte ein Junge an einem Bach Mundharmonika. Der Film dauert zwei Stunden und besteht aus 13 Bildern von Kindern aus den USA. Meine Nachbarin sagte, der Film sei schön, aber die Bilder hätten nichts Irritierendes. Das Irritierende fehlte total.

Auf dem Fußweg von der Potsdamer Straße zum Berlinale-Palast kommt man immer an einem rot beleuchten Etablissement vorbei. Durch das Fenster sieht man, dass dort im roten Licht Bartische stehen, an der Bar glänzen lange Galerien von Weinflaschen. Abends wird dort unablässig gefeiert, man sieht eng umschlungene Paare hinein- oder hinausgehen. An der Tür steht: „Kinderfilmfest-Lounge“. Das zum Beispiel ist ein irritierendes Bild.

Der Plot eines irritierenden Politthrillers könnte so aussehen: Es gibt eine Familienministerin, die sieben Kinder hat, Ärztin ist, immer super aussieht, alle fragen sich, wie geht das. In Wirklichkeit aber sind es eineiige Drillinge. In ihrer Kindheit haben die Drillinge beschlossen, sich als eine einzige Person auszugeben, um auf diese Weise bis zur Ministerin und später zur Bundeskanzlerin aufzusteigen. Dann aber wird einer der Drillinge wahnsinnig und bringt, honigsüß lächelnd, das halbe Kabinett um.

0 Kommentare

Neuester Kommentar