Kultur : Cowboymund

Dem Autor und Filmhelden Sam Shepard zum 70.

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Foto: AFP
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Es gab einmal eine Zeit, da spielten die westdeutschen Theater Stücke von Sam Shepard sehr gern. Auch die Schaubühne war in jenen Achtzigern dabei. Shepard ließ es zu, dass man zugleich irgendwie gegen Amerika sein konnte und der Freiheits- und Abenteueridee des Westens nachhing. „The Unseen Hand“, „Fool for Love“ und „True West“ hießen die Stücke. Oder „Cowboy Mouth“, das hat hat Shepard mit seiner damaligen Lebensgefährtin Patti Smith geschrieben.

Der Lange aus Illinois hat europäische Künstler magisch angezogen. Er war der wahre amerikanische Freund. Er bastelte mit an Michelangelo Antonionis „Zabriskie Point“ (1970), einem Film wie ein Trip, der Hippie-Utopie, Action und Horror zur Musik von Pink Floyd langsam zerquirlte. Er war dabei, als Bob Dylan 1975 mit seiner chaotischen „Rolling Thunder Revue“ durch die USA zog und schrieb darüber das berühmte „Logbuch“. Und dann kam, zehn Jahre später, „Paris, Texas“ mit Nastassja Kinski. Regie: Wim Wenders. Drehbuch: Sam Shepard. Soundtrack: Ry Cooder. Melodram in glühender Hitze. Kaputte Cowboys. Was Wenders und Shepard verband – noch einmal 2005, in „Don’t Come Knocking“ –, war dieses Gefühl für die Langsamkeit der Katastrophe, die Fatalität des weiten Westens. Ein alternder Schauspieler haut vom Set ab, verfolgt von einem Versicherungsdetektiv. Herrliche Wüstenbilder kitzeln eine Sehnsucht, die vom Zustand der Helden dementiert wird. Was für ein scheußlicher, herrlicher Kontinent!

Shepards eigene Karriere als Schauspieler macht nicht weniger staunen. In Terrence Malicks „Days of Heaven“ (In der Glut des Südens) spielt er einen Farmer. Sein Rivale in diesem Epos von biblischer Wucht – Anfang des 20. Jahrhunderts greift die Industrialisierung nach der Landwirtschaft – ist Richard Gere. Wenn der auf allen Feldern geschlagene Farmer seine Welt in Brand setzt, muss man daran denken, dass Shepard so oft die Loser verkörpert hat, wie auch in Volker Schlöndorffs „Homo Faber“ – mit der existenzialistischen Würde, die aus der Wüste kommt. Ein Camus aus Nevada.

Es gibt auch die patriotische Seite. In „Black Hawk Down“ spielt Shepard einen General, in „The Right Stuff“ den berühmten Testflieger Chuck Yeager. Shepards Vater war Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg. Sam wuchs im militärischen Milieu auf, sie zogen von Stützpunkt zu Stützpunkt. Am Dienstag feiert er seinen 70. Geburtstag. Bei S. Fischer erscheint sein neues Buch „Drehtage“: Bruchstücke einer Autobiografie. Geisterstorys, Rock ’n’ Roll. Erinnerungen an ein Gestern, das im Grunde auch nicht besser war, Vietnam usw. Aber damals lebten die Träume noch. Rüdiger Schaper

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