Kultur : Crazy Frog

Diese Woche auf Platz 7 mit: „Crazy Hits“

Ralph Geisenhanslüke

Debil und breitmäulig – so stellt man sich gemeinhin die Fratze des Klingeltonkapitalismus vor. Seit dem Frühjahr verbreitet sich dieser Cartoon-Frosch aggressiv wie ein Computervirus. In acht europäischen Ländern stieg er auf Platz eins der Single-Hitparaden. In Großbritannien, wo er Coldplay von der Spitze verdrängte, forderte die schäumende Boulevardpresse schon seinen Tod. Ein Klingelton aus Deutschland! Im Land der Beatles! Dabei ist der Klingelton, mit dem der Berliner Anbieter Jamba bislang angeblich 20 Millionen Euro verdient haben soll, schwedisch–österreichischen Ursprungs. Vor acht Jahren schon erlangte Daniel Malmedahl, ein schwedischer Teenager, eine gewisse Bekanntheit durch sein Talent, Motorengeräusche nachzuahmen, besonders den kreischenden Ton von Zweitaktern. Ein anderer Schwede, Erik Wernquist, unterlegte damit eine Animation, die bereits die heutige Froschgestalt hatte. Die Rechte landeten irgendwann bei Jamba. Jamba ließ dazu ein altes Stück von Harold Faltermeyer einspielen. Der Österreicher hatte in den Achtzigern die Musik für den Film „Beverly Hills Cop“ geschrieben, darunter auch das Stück „Axel F“. Doch inzwischen wird klar, dass Klingeltöne nicht einmal mehr denen Spaß machen, die daran verdienen. Letzte Woche haben MTV und Viva angekündigt, ab 16 Uhr keine Klingelton-Reklame mehr zu senden. Die penetranten Spots schaden dem Image der Sender. Und für Nervensägen gibt es keinen Artenschutz.

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