Kultur : Cuba libre - Der Dokumentarfilm von Sonia Herman Dolz kommt wieder ins Kino

Jan Schulz-Ojala

Unser Rezensent Roman Rhode hat im März letzten Jahres, als der Film erstmals ins Kino kam, die Lebensalter der fünf Musiker munter zusammengezählt: 400 Jahre hätten sie "auf dem Buckel, und jeder einzelne von ihnen ist mindestens so alt wie der kubanische Son: jenes berauschende Tanzlied, das für die Musik auf Kuba längst so grundlegend ist wie für den Rum die Melasse". Die Rede war vom Quintett "Vieja Trova Santiaguera", einer Truppe betagter Troubadoure, die mit dem Son eine Musik feiern, die "rotierende Hüften noch im Greisenalter verleiht und, wie es der berühmte Komponist Miguel Matmoros besingt, jeden Krückstock überflüssig macht". Wohlan denn, tanzet ab! Es lebe die ewige Jugend!

Ein Jungbrunnen soll nun auch das Kino sein - für den musikalischen Dokumentarfilm der Niederländerin Sonia Herman Dolz über eben jene Musiker. Fraglos besonnt vom Dauererfolg des Wim Wendersschen "Buena Vista Social Club", der mit einer runden Million Zuschauern das im Kino eher verschattete Genre des Dokumentarfilms triumphal wiederkehren ließ, wagt man nun einen Neustart auch für "Lagrimas Negras - Schwarze Tränen". Doch anders als bei Wenders, der die längst verrenteten Künstler des "Buena Vista Social Club" zum gemeinsamen musikalischen Revival versammelte, begleitete die Regisseurin in ihrem ein Jahr früher entstandenen Film eine Truppe bei der Arbeit, die seit Jahren quer über den Globus tourt. Sonia Herman Dolz besuchte das Quintett im Mai 1997 sechs Wochen in Santiago de Cuba und begleitete sie anschließend auf Europa-Tournee. Herausgekommen dabei ist, so unsere damalige Kritik, ein "poetisches Dokument über die Erinnerung, die Liebe und die Einsamkeit". Die Musiker kommen in ihren "mal lapidaren, mal charmant eitlen Rückblicken" auf das eigene Leben darin ausführlich zu Wort.

In Berlin ist "Lagrimas Negras" nun wieder im Filmtheater am Friedrichshain und im Odeon zu sehen. Zu Start gibt es heute, 20.30 Uhr, im Odeon ein Konzert mit Caridad Hierrezuelo und ihrem Sextett. Die Sängerin, vom Verleih als die vielseitigste Kubas gerühmt, ist die Schwester des "Vieja Trova Santiaguera"-Bandleaders Reinaldo Hierrezuelo. Die fünf Achtzigjährigen, denen der grobkörnige, in warmen Farbtönen gehaltene Film - Rhode: "eine Daguerrotypie vom Urzustand der Musik und der Männlichkeit" - gewidmet ist, wird man sich an diesem Abend unschwer in der Phantasie hinzuzaubern mögen.Im Filmtheater am Friedrichshain und im Odeon

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