Kultur : Cyprien Gaillard gewinnt Preis der Nationalgalerie

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Cyprien Gaillard hat den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst gewonnen. Am Mittwochabend wurde ihm die Auszeichnung in Höhe von 50 000 Euro im Hamburger Bahnhof überreicht. Er setzte sich damit gegen die gleichfalls nominierten Kitty Kraus, Klara Liden und Andro Wekua durch. Erst im vergangenen Jahr gewann der 1980 in Paris geborene Franzose den Prix Marcel Duchamps, die wichtigste Auszeichnung für zeitgenössische Kunst seines Landes. Die dazugehörige Einzelausstellung im Centre Pompidou hat kürzlich eröffnet. Seine Arbeiten sind bei der diesjährigen Biennale in Venedig vertreten. Wen wundert es, dass in der Jury zum Nationalgalerie-Preis auch Biennale-Kuratorin Bice Curiger saß.

Prämiert wurde Gaillards im Hamburger Bahnhof gezeigte Videoarbeit „Artefacts“. Der Künstler hatte im Irak mit Handykamera die Reste Babylons gefilmt, begleitet von bewaffneten Soldaten. Immer wieder setzt sich Gaillard, der seit einem DAAD-Stipendium 2009 in Berlin lebt, mit Archäologie und dem Zerfall historischer Bauten auseinander. Ihm sei eine eindrückliche Reflexion über den Mythos Babylon gelungen, „der durch den Bezug zum Krieg im Irak eine besondere Aktualisierung erfährt“, heißt es in der Begründung. Der Preis, eine der höchstdotierten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland, wird alle zwei Jahre vom Verein Freunde der Nationalgalerie verliehen .

Als alle Nominierten am Ende auf die Bühne treten sollten, fehlte der aus Georgien stammende Andro Wekua. Das wirft die Frage auf, wie wichtig die Auszeichnung für die jungen, von der Galerien- und Kuratorenszene bereits beachteten Künstler tatsächlich ist. Erstmals wurde zusammen mit der Deutschen Filmakademie auch der Preis für Junge Filmkunst vergeben. Iris Berben und Bruno Ganz überreichten ihn dem Brasilianer Theo Solnik für den Film „Anna Pavlova lebt in Berlin.“ Anna Pataczek

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