Kultur : Da brennt die Luft

Bei sommerlichen Temperaturen fällt es selbst in Berlin nicht so schwer, sich in den feurigen Süden Spaniens versetzen zu lassen, zumal wenn durch den Konzertsaal des Schauspielhauses Kastagnettenklappern und Olé-Rufe schallen.Seit einiger Zeit schon schafft Rafael Frühbeck de Burgos, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB), der Musik seiner Heimat in Berlin Gehör.

Eine solche ist "La vida breve" von Manuel de Falla: In zwei Akten erzählt das lyrische Drama die Geschichte des armen Mädchens Salud, dessen Geliebter Paco eine andere heiratet; vor Liebeskummer stirbt Salud mitten auf Pacos Hochzeitsfeier.Eine Mischung aus Verismo à la "Cavalleria Rusticana" und spanischem Kolorit à la Bizet.Doch hier ist alles noch viel authentischer als in der französisch-spanischen Geschichte um die Femme fatale aus der Zigarettenfabrik; und authentisch war auch die Aufführung im Schauspielhaus, hatte Frühbeck de Burgos doch eine ganze Reihe spanischer Solisten um sich geschart, unter ihnen Gabriel Moreno, den Meister des Flamencogesangs (dessen Wirkung sich allerdings weniger auf Stimmsubstanz als allein auf Authentizität stützte), und die Kastagnettensolistin Lucero Tema, die der Hochzeitsmusik nicht nur perkussiv, sondern auch durch zwei hinreißende Tanzeinlagen Farbe gab.María Orán sang die Partie der betrogenen Salud mit recht scharfer Stimme: ihr überreifes Timbre wirkte unangemessen, zumal mit Renée Morloc in der Rolle ihrer Großmutter eine paradoxerweise viel jugendlichere Partnerin an ihrer Seite stand.

Das Orchester zeigte sich wieder einmal in Höchstform, und auch der Ernst Senff Chor glänzte in seinen unterschiedlichen dramatischen Funktionen.De Fallas "La vida breve" ist ein kleines Meisterwerk mit einer ganz eigenen, sehr charakteristischen Sprache, und Frühbeck de Burgos tut gut daran, diese in unseren Breiten eher unbekannte Oper immer wieder einmal aufzuführen.

Ergänzt wurde das Programm im ersten Teil durch spanische Musik neuester Zeit: Die Uraufführung von Antón García Abrils Orchesterfantasie "Alhambra", inspiriert durch das weltberühmte Bauwerk in Granada und seinen Bauherrn Kaiser Karl V., verlief allerdings enttäuschend.Zwar legten sich auch hier die Musiker mächtig ins Zeug, doch erschöpften sich die Klänge in einem eklektischen Bilderbogen von hispanistischen Effekten und schönen Melodien.In keinem Moment aber ist es eine Musik unserer Zeit, so muß gegen das Auftragswerk des RSB der Kitsch-Verdacht erhoben werden - es zog im stilistisch zulässigen Vergleich mit de Falla klar den kürzeren. gss

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