Kultur : Da capo

Rolf Hochhuth verklagt den Berliner Senat.

Der Streit um die sommerliche Nutzung des Berliner Ensembles geht in eine neue Runde: Der Schriftsteller Rolf Hochhuth, dessen Ilse-Holzapfel-Stiftung die Immobilie gehört, hat eine Klage gegen den Berliner Senat eingereicht. Bereits vor sechs Wochen war ein Brief von Hochhuths Rechtsanwalt Markus Kerber mit der fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eingegangen. Die Kulturverwaltung hatte mit dem Verweis auf die Vereinbarungen im Mietvertrag reagiert.

Der Senat ist Mieter am Schiffbauerdamm, Untermieter sind Claus Peymann mit seiner Truppe. Die Jahresmiete von 214 000 Euro ist vergleichsweise niedrig, weil Hochhuth vertraglich das Recht eingeräumt wird, während der Spielzeitpause des BE dort eigene Stücke zu zeigen. Allerdings nur, wenn er jeweils im ersten Quartal des Vorjahres konkrete Daten, Werktitel sowie den Namen des Regisseurs benennt. Für 2014 hätten diese Angaben bis zum 31. März 2013 vorliegen müssen. Der mittlerweile 82-jährige Hochhuth ist allerdings kein Meister der Langfristplanung. Wenn er verspätet seine Pläne anmeldet, sind seitens des Senats gewöhnlich schon die Firmen beauftragt, die während der Sommerpause nötige Instandhaltungsmaßnahmen im historischen Haus durchführen sollen.

Uwe Lehmann-Brauns, Berlins dienstältester Kulturpolitiker und seit 1979 für die CDU im Abgeordnetenhaus, spricht von „juristischer Erbsenzählerei“ und hält den „Rigorismus“ des Senats in Sachen Hochhuth-Vertrag für „kontraproduktiv“. Er kennt die unterschiedlichen Befindlichkeiten und hat den kantigen Schriftsteller bis 2012 selber als Rechtsanwalt betreut. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel plädiert er dafür, dass der Senat sich mit Hochhuth an einen Tisch setzt, um den Vertrag einvernehmlich zu modifizieren. Diedrich Wulfert, Sprecher der Kulturverwaltung, bestätigt zwar, dass Staatssekretär André Schmitz zu einem solchen Treffen bereit sei. Gleichzeitig betont er, dass die staatliche Seite sich stets rechtlich korrekt verhalten habe – wie zwei bereits gewonnene Gerichtsverfahren bestätigen.

Rolf Hochhuth möchte im BE kommendes Jahr sein Stück „Sommer ’14. Ein Totentanz“ zeigen. Wie passend. F. H.

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