Kultur : Da hilft nur Diplomatie

JUGENDORCHESTER

Carsten Niemann

„Ich glaube, wir fangen noch einmal von vorne an“, sagte Angela Feeney, als der Hubschrauber über den Innenhof der Britischen Botschaft donnerte: „Ich dachte, wir sind hier in Berlin und nicht in Belfast.“ Ganz unbekümmert erinnerte die Belfaster Opernsängerin das Publikum im Konzert des City of Belfast Youth Orchestra daran, in welch angespannter Atmosphäre die 15- bis 20-jährigen Orchestermusiker ihr romantisches Programm erarbeiten mussten. Verkehrt war es sicher nicht, wenn dadurch die Idylle von David Poppers „Ungarischer Rhapsodie“, die der junge Solist Niall Trainor mit warmem, sehr erwachsenem Celloton vortrug, im Nachhinein verletzlich wirkte. Von der Güte der Ausbildung an der Belfaster Musikschule, einem Gymnasium mit speziellem musikalischen Zweig, überzeugte man die Zuhörer besonders in der Ouvertüre „Der römische Karneval“ von Hector Berlioz. Die Tournee des Orchesters durch Frankreich, Polen und Deutschland, die mit dem ViP-Konzert in Berlin und einem Auftritt in Chorin endete, wird den einen oder anderen Musiker mit Sicherheit an einen zukünftigen Studienort geführt haben. Denn eine Musikhochschule, so verriet Feeney in der Umbaupause, besitze Nordirland leider nicht. Dann setzten die Musiker im mächtigen Botschaftsbau zu höherer Diplomatie an. Bis sich in der Liebesarie „I dreamt I dwelt in Marble Halls“ des Dubliners Michael Balfe VIP-Arm zärtlich in VIP-Arm verfing.

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