Kultur : Da hüpfen ja die Lämmer

Weihnachtskonzert der Berliner Singakademie.

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Dieses Weihnachtsoratorium haut nicht auf die Pauke. Es dauert nur 40 Minuten, spielt bei den Schäfern auf dem Felde, verkündet die Frohe Botschaft also aus proletarischer Warte, was sich in Zeiten des kriselnden Kapitalismus vorzüglich macht. Der Bach-Schüler, Dresdner Organist und Kreuzkantor Gottfried August Homilius hat seine Pastoralmusik „Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu“ 1777 veröffentlicht, nach dem Barock ist gerade Empfindsamkeit angesagt. Wie bei Bach frohlocken die Engel, aber dazu hüpfen die Lämmlein und die ganze Natur tanzt fröhlich Gavotte.

Warum auch nicht: Die (Ost-)Berliner Singakademie und das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach bringen im Konzerthaus unter Leitung von Achim Zimmermann Homilius’ Feel-goodChristfestmusik zur Aufführung, leichtfüßig und mit griffigen Melodien. Das wackere Solistenquartett steuert in den Arien des Oratoriums light allerlei Lieblich- und Seligkeiten bei, der schlanke, dennoch intensive Sopran Sophie Klußmanns, der verlässliche Bass Tobias Berndts, das klare, warme Timbre der Altistin Susanne Langner sowie Markus Brutscher, dessen Tenor es jedoch leider an Geschmeidigkeit fehlt.

Umrahmt wird das selten aufgeführte Werk von Kompositionen des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel. Das doppelchörige „Heilig“ lenkt den Blick zunächst nach oben zum Himmelsgesang , vor Homilius’ Abstieg in irdische Gefilde; das festlich-prangende „Magnificat“ folgt nach der Pause. Also doch noch Pauken und Trompeten, temperamentvolle Bach’sche Affektenlehre samt lautmalerischer TextExegese und einer mächtigen Schlussfuge, bei der man sich seitens des Chors etwas mehr Gestaltungswillen gewünscht hätte. Oh, du fröhliches Fest der Rituale: Am Schluss zwei Weihnachtslieder zum Mitsingen, das hat bei der Singakademie Tradition. Christiane Peitz

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