Kultur : Da ist Musik drin

Frank Noack

schmäht den „Troja“-Tonsetzer James Horner Für die wieder erwachte Beliebtheit griechisch-römischer Epen gibt es eine Vielzahl von Gründen: die Freude an überlebensgroßen Charakteren, an knappen Kostümen, an barbarischen Kämpfen. Bei Filmmusikliebhabern erfreut sich das Genre ebenfalls großer Resonanz, denn selten sonst können sich Komponisten so schön austoben. Wuchtige Bilder vertragen wuchtige Klänge. Leider dürfte es selbst den Bewunderern von Wolfgang Petersens „Troja“ schwer fallen, dessen Musik schönzureden. „Titanic“-Komponist James Horner klaut hier schamlos von sich selbst (die martialischen Klänge aus „Enemy at the Gates“) und von Kollegen (die Sopransoli aus „Gladiator“). Und der finale Song klingt nach Dieter Bohlen. Musste das sein?

Ursprünglich hatte mit Gabriel Yared („Der englische Patient“) ein seriöser Komponist an dem Film gearbeitet, aber nach einer Testvorführung wurde seine Partitur verworfen. Nun hat Yared Rache geübt – übers Internet. Er hat dort ein paar Takte seines „Troja“-Soundtracks veröffentlicht und Filmmusikfans neugierig gemacht. Sie unterzeichneten eine im Internet kursierende Petition und forderten den Produzenten und Verleiher Warner Bros. auf, Yareds Musik als CD zu produzieren und bei der DVD zu berücksichtigen. Mal sehen, was daraus wird.

Bei Stummfilmen hat man es mit der Musikauswahl nicht so genau genommen, da konnte der Pianist oder Kapellmeister selbst entscheiden, welche Klänge die Bilder ergänzen. Immerhin ist für den letzten Antikfilm eines deutschen Regisseurs, Ernst Lubitschs Das Weib des Pharaoh (1921), ein berühmter Komponist engagiert worden: Eduard Künneke, der Vater von Evelyn. Emil Jannings, Deutschlands erster Weltstar, spielte die Hauptrolle, außerdem waren Albert Bassermann und Paul Wegener mit von der Partie. Ein Klassiker wurde der Film trotz der großen Namen und seiner hohen Bauten nicht. Ein Grund mehr, ihm eine zweite Chance zu geben (Dienstag im Arsenal, mit Einführung).

Ein Klassiker dagegen wurde – schon auf Grund seiner offiziellen Remakes von Richard Eichberg (1938) und Fritz Lang (1959) – Das indische Grabmal . Das Original entstand 1921 unter der Regie von Joe May nach einem Drehbuch von Thea von Harbou und Fritz Lang, und das Team musste keine gefährliche Expedition nach Indien unternehmen. Die exotischen Kulissen wurden in Woltersdorf aufgebaut. Als Maharadscha, der seine untreue Ehefrau lebendig begraben will, ist Conrad Veidt zu sehen. Thea von Harbou, die Drehbuchautorin, sollte ihr Interesse an dem fernen Land noch vertiefen: Sie lebte während der NS-Zeit in „wilder Ehe“ mit einem Inder zusammen. Einem echten (Teil 1 am Sonntag im Filmkunsthaus Babylon).

Nicht alle Spektakel sorgen für Zerstreuung. Der Rat der Götter (1950) von Kurt Maetzig behandelt mit beträchtlichem Aufwand und einer kolossalen Besetzung mit der noch jungen Ingrid Keller die Verstrickung der IG Farben in die NS-Verbrechen. Der Film endet fast mit einer Apokalypse: Maetzig warnt etwas didaktisch-plakativ, aber in eindringlichen Bildern vor einem Atomkrieg. Einziges Manko: Die Szenen mit den Kapitalisten sind lebendiger als die mit den anständigen Charakteren. Die Guten predigen zu Hanns-Eisler-Musik, die Bösen feiern zu wilden Rumba-Rhythmen. Überflüssig zu sagen, was stärker zur Identifikation einlädt (Mittwoch in der Humboldt-Universität). Frank Noack

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