Kultur : Dämpfe aus dem Keller

SOMMERKONZERT

Ulrich Amling

Wenn der Ortsbeirat von Kloster Zinna in der Alten Abtei zu seinem Büro emporsteigt, benebeln ihn alkoholische Dämpfe. Einst hatte sich ein Zisterziensermönch das Leben nehmen wollen und sammelte Kräuter, die ihm im Sud vereint tödlich schienen. Doch statt ihn umzubringen, reizte das süßbittere Gesöff seine Lebensgeister – zu welchen Taten, verschweigt die Legende. Jetzt wird der „Klosterbruder“ wieder am historischen Ort gebraut, doch berauscht ist man davon als Ortsbeirat nicht. Zu siech liegt er da, der Flecken Kloster Zinna , einst Schrittmacher der Region, dem Friedrich der Große als Steueroase vom Reißbrett eine neue, strahlende Zukunft bescheren wollte. In die trutzige Granitpfeilerbasilika St. Marien, 1220 erbaut, entsandten die Brandenburgischen Sommerkonzerte ein Ensemble, das meditative und mitreißende Qualitäten virtuos vereint. Gericelli , gegründet vom litauischen Cellisten David Geringas mit seinen Meisterschülern, singt mit bis zu acht Celli von himmlischen und irdischen Leidenschaften. Eine Sarabande aus Bachs Solosuiten weht zart durch vier bauchige Instrumente, Arvo Pärts „Fratres“ versenken sich in mönchisch-karge Ekstase, während die Bach-Variationen von Mindaugas Urbaitis ein muskulöses Spiel mit dem Barock treiben. Zur Höchstform läuft Gericelli mit den „Bachianas Brasileiras“ von Villa-Lobos auf - und setzt noch einen raffinierten Tango drauf. Da beginnt der mittelalterliche Engel, der auf einer Teufelsfratze steht, zu tanzen. In Kloster Zinna wird das Böse mit Füßen getreten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben