Dänemark : Streit um Grass' Mietvertrag

Die einflussreiche und rechtsorientierte Dänische Volkspartei (DVP) will das Wohnrecht des deutschen Nobelpreisträgers Günter Grass (79) in seinem Sommerhaus auf der Ostseeinsel Møn nicht akzeptieren.

Kopenhagen - Nachdem das Kopenhagener Justizministerium entschieden hat, dass Grass das seit 1978 von ihm gemietete Haus trotz eines Verfahrensverfehlers beim Mietvertrag weiter behalten kann, sagte der zuständige DVP-Sprecher Morten Messerschmidt: "Wenn dieser Fall als Vorbild auch für andere Ausländer in dänischen Sommerhäusern genutzt werden sollte, müssen wir dafür sorgen, dass der Vertrag mit Grass aufgehoben wird."

In Dänemark dürfen nicht im Land lebende Ausländer keine Ferienhäuser kaufen. Grass bekam seinen ersten Mietvertrag im Jahr 2002 vom Naturschutzamt als Hauseigentümer bis 2016 verlängert, was Juristen des Justizministeriums nachträglich als nicht zulässig einstuften, weil es de facto eine Umgehung des Kaufverbotes sei. Die vor allem durch ständige Forderungen nach einer schärferen Ausländerpolitik zur drittgrößten Partei und Mehrheitsbeschafferin von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen gewachsene DVP machte den Fall in den Medien publik.

Grass lehnt jeden Kommentar ab

Nachdem das Justizministerium Initiativen zur Aufhebung des Mietvertrages mit Grass ausgeschlossen hatte, meinte Messerschmidt: "Wir haben nichts gegen ihn als Deutschen oder Nobelpreisträger. Aber wir werden notfalls auch in diesem Fall dafür sorgen, dass Dänen bei Sommerhäusern hier im Land den Vortritt behalten." Das durch EU-Ausnahmeregeln gedeckte Verbot des Verkaufs von Ferienhäusern an Ausländer befürworten alle Parteien im Folketing. Es wird damit begründet, dass bei einer Freigabe des Marktes die Preise vor allem durch massive Nachfrage aus Deutschland drastisch steigen und einheimische Interessenten leer ausgehen würden.

Der in der Nähe von Lübeck lebende Grass verbringt seit mehr als 30 Jahren jeweils den Sommer auf Møn und den Winter in Portugal. Er hatte seit Beginn des Streits um seinen Mietvertrag jeden Kommentar abgelehnt. (tso/dpa)

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