Kultur : Dänisches Kino: 3. Internationales Stummfilmfestival

Jan Gympel

Heutzutage machen dänische Filmemacher vor allem durch geschicktes Marketing von sich reden: Wozu warten, bis einem die Kritiker ein medienwirksames Etikett ankleben? Warum besondere Mühe auf Originalität, Dramaturgie oder Photographie verwenden, wenn man auch den Dilettantismus (mal wieder) zum Stil erklären kann? Die "Dogma"-Filme sind, so gesehen, das genaue Gegenteil dessen, womit das dänische Kino vor neunzig Jahren international für Aufsehen sorgte: Als das neue Medium weithin noch (zu Recht) als billiges Jahrmarktsvergnügen betrachtet wurde, meist plumpe Effekthascherei und grauenvoll grimassierende Darsteller bot, setzte man in dem kleinen nordischen Königreich auf Qualität. Psychologische Dramen, dargeboten von ausgebildeten Theatermimen und oft auch bühnenerfahrenen Regisseuren, die Ansiedlung im gehobenen Milieu und für die damalige Zeit recht gewagte Szenen machten die dänische Filmproduktion in der ersten Dekade des vergangenen Jahrhunderts für kurze Zeit zu einer Weltmacht und zu einem Vorbild auch für Hollywood.

Einen Blick auf diese wichtige, fast vergessene Epoche ermöglicht das 3. Internationale Stummfilmfestival, das morgen mit "Die vier Teufel" beginnt, einem Liebesdrama aus dem Artistenmilieu, außerdem mit dem Asta-Nielsen-Film "Ein Liebesopfer" und dem noch verheißungsvoller klingenden Abenteuer "Weiße Sklavinnen". Weitere Filme laufen am Sonnabend, ebenfalls um 20 Uhr und ebenfalls im Blow up, sowie am Sonntag ab 22 Uhr als Eröffnungsprogramm des Oper-Air-Kinos im Podewil. Besonderer Clou: Statt mit der üblichen Klavierbegleitung werden die Filme nur von Schlitztrommel, Wassergong, Bongos, Vibraphon und anderen Schlaginstrumenten live untermalt, ausgeführt von dem darin schon renommierten Steven Garling mit täglich wechselndem Partner.

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