Kultur : Damenkunde

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SCHREIBWAREN

Steffen richter weiß,

was starke Frauen ausmacht

Frauen aus dem Osten legen in dieser Woche einen starken Auftritt hin. Schaut auf dieses Land, möchte man rufen. Es war ja nicht alles schlecht in der DDR! So richtig gut war es freilich auch nicht. Das lernen wir in den kommenden Tagen.

Den Auftakt macht die derzeit allerorten gefeierte Christa Wolf (vgl. Tagesspiegel vom 14.3.). Heute Abend werden sich mit der längst kanonisierten Starautorin im Rahmen eines kleinen Geburtstagssymposiums im Brecht-Haus vier Vorträge beschäftigen (20 Uhr). Mit dabei ist die Herausgeberin ihrer Werkausgabe Sonja Hilzinger.

Schon vor 30 Jahren hatte Wolfs Freundin Maxi Wander ihre Protokolle „Guten Morgen, du Schöne“ veröffentlicht. Da plauderten Frauen erstmals ungeschminkt vom Leben im Sozialismus. Nun will Martina Rellin in Wanders Fußspuren treten. Am 18.3. stellt sie in der Kulturbrauerei (Alte Kantine) ihre Sammlung „Klar bin ich eine Ost-Frau“ (Rowohlt Berlin) vor (20 Uhr). Darin erzählen 15 Frauen aus dem „richtigen Leben“. Vor allem wollen sie das Bild vom Jammer-Ossi gegen den Strich bürsten. Ostfrauen sind nämlich eigenständig und selbstbewusst. Klar, wegen der 40 Jahre gelebter Emanzipation, die sie ihren westlichen Geschlechtsgenossinnen voraushaben! Die Verwaltungsangestellte Kiki (45) etwa berichtet: „In der DDR waren Ehen nicht so auf materieller Grundlage, beide Partner waren finanziell selbstständig – da vögelt man nun nicht durch die Gegend, aber die gesamte Einstellung zur Liebe ist dadurch lockerer. Und heute ist in dieser Hinsicht im Osten sicher mehr los als im Westen.“

So so.

In der Tat erreichte die deutsche demokratische Scheidungsrate Weltniveau. Und wir verschweigen, dass es die dahin dümpelnde ostdeutsche Ökonomie mit ihrem permanenten Arbeitskräftemangel war, die Frauen zur Berufstätigkeit zwang und damit eher nebenbei emanzipierte.

Weniger schrill kommt das lesenswerte Debüt der Leipzigerin Katja Oskamp daher. In „Halbschwimmer“ (Ammann) geht es um ein Mädchen, das sich aus seiner stromlinienförmigen Familie herauswindet. Die Mutter ist Schuldirektorin, der Vater ein hoher NVA- Offizier, kleine Spitzeldienste für die Staatssicherheit inklusive. Da es die Protagonistin zum Theater zieht, ist es nur logisch, dass Oskamp ihr Buch am 22.3. in der Kammerbar des Deutschen Theaters vorstellt (20 Uhr).

Zeitgleich präsentiert Anetta Kahane „Ich sehe was, was du nicht siehst“ (Rowohlt Berlin) in den Sophiensälen . Kahane kennt man als unverdrossene Kämpferin gegen rechte Gewalt. Ihre Eltern wurden als Juden von den Nazis verfolgt, Kahane selbst waren die ostdeutschen Aversionen gegen Fremde schon in der DDR aufgefallen. Als Mitglied des „Neuen Forums“ hat sie am „Runden Tisch“ gesessen und die Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen gegründet. Bitter ist nur, dass sie sich in ihrer Studienzeit auch für die Stasi engagierte. Geschadet habe sie niemandem.

Hm.

Über all den Ostfrauen sollten wir jedoch einen Westmann nicht vergessen. Bereits am 17.3. hat Michael Kleebergs libanesisches Reisetagebuch „Das Tier, das weint“ (DVA) im Literarischen Salon Britta Gansebohm Premiere ( Podewil , 20 Uhr 15). Glücklicherweise ist es kein nur exotischer Bericht geworden. Der arabisch-israelische Konflikt ist immer präsent und die Terrorangst sitzt mit im Flugzeug. Das hält Kleeberg nicht davon ab, liebevoll seinen Gastgeber, den Lyriker Abbas Beydoun zu porträtieren. Und wenn er das mediterrane Flair der Levante beschreibt, würde man am liebsten gleich die Koffer packen.

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