Dan Auerbach im Soulcat in Neukölln : Pingpong mit Platten

Ausgehen in Berlin: In der Neuköllner Kneipe Soulcat legen DJs Musik aus den Fünfzigern und Sechzigern auf. Jetzt schaute mal ein prominenter Gast-DJ vorbei: Dan Auerbach von den Black Keys.

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Dan Auerbach von den Black Keys.
Dan Auerbach von den Black Keys.Foto: picture alliance / dpa

Mit roter Kreide steht es auf der Klapptafel: DJs Richard Swift, Dan Auerbach. Oh! Der Dan Auerbach? Von den Black Keys? Der Grammy- und Soundcheck-Award-Gewinner, derzeit spannendster Rockmusiker des Planeten und nebenbei noch Produzent des aktuellen Lana-del-Rey-Albums? Mal reinschauen, ob’s nicht nur ein Namensvetter ist. Nein – da steht tatsächlich der 35-jährige Sänger und Gitarrist aus Nashville hinter dem DJ-Pult des Soulcat in der Pannierstraße. Blaues Pünktchenhemd, mintgrünes Sakko, Dreitagebart. Er werkelt neben dem wuschelhaarigen Swift an den Reglern und Knöpfchen herum. Die beiden haben jeweils einen Koffer mit Vinyl-Singles dabei und legen abwechselnd auf. „Pingpong“, sagt Swift, Tourbassist der Black Keys. Gerade ist Auerbach mit einer tollen Uptempo-Nummer dran. „Da singt der Schlagzeuger“, sagt er. „Und der ist weiß“, ergänzt Swift.

Die beiden spielen einen schönen Mix aus alten Soulplatten – passt perfekt in den Neuköllner Laden, der eine Schallplatte in seinem Logo trägt und sich auf R’n’B, Beat, Soul und Blues der fünfziger und sechziger Jahre spezialisiert hat. Die Wände des Hauptraums sind mit Plattencovern von Billie Holiday, Bo Diddley, Johnny Cash und Co. dekoriert. Und selbstverständlich wird hier nur Vinyl aufgelegt. Von Donnerstag bis Samstag stehen DJs wie Mr. Krawallisch, Lobotomy oder Dizzy Miss Lizzy hinter dem prominent platzierten Turntable-Tisch. An den restlichen Tagen sorgt das Barpersonal für den Sound: Hinter dem Tresen gibt es einen weiteren Plattenspieler, darüber ein kleines Regal mit diversen Kompilationen.

Das Soulcat ist von Kreuzberg nach Neukölln gezogen

Die Betreiber des Soulcat kommen ursprünglich aus Kiel. Ihren Laden hatten sie zunächst einige Jahre in der Reichenberger Straße. Diesen Monat feiert er seinen ersten Geburtstag in der neuen Location, die dem ersten Soulcat optisch nachempfunden ist. Dort war auch Dan Auerbach einmal zu Besuch. Mitgebracht von Schlagzeuger Max Weissenfeldt, der eine Jazzreihe in der Bar betreute. Auerbach gefiel der Laden und er versprach, irgendwann mal für die Gäste aufzulegen. Nach dem Black-Keys-Konzert vor zwei Jahren in der Arena sollte es so weit sein. Warten, warten – gegen 2 Uhr dann die Absage. Nun hat der Musiker sein Versprechen doch noch eingelöst – auf der Durchreise von England nach Polen, wo seine Band am nächsten Tag auftritt.

Das Soulcat ist zunächst nicht übermäßig gut besucht. Die im hinteren Raum laufende WM-Achtelfinalpartie zieht fast genauso viele Gäste an wie das DJ-Gastspiel von Auerbach, der aber sichtlich Spaß an seinem Engagement hat. Wozu auch die junge, blonde Frau beizutragen scheint, die auf dem Barhocker neben ihm sitzt. Sein Scheidungsdrama – Thema auf dem aktuellen Black Keys-Album „Turn Blue“ – scheint er überstanden zu haben.

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