Kultur : Dan Graham

Michaela Nolte

Pünktlich zur Biennale präsentiert die Johnen Galerie einen amerikanischen Konzept- und Videokünstler, Fotografen, Performer und Theoretiker, der zwar nicht auf deren aktueller Künstlerliste steht, doch mit seinem bereits zur ersten Biennale vor acht Jahren errichteten Pavillon im Hof der Kunst-Werke zu deren angestammten Inventar gehört: Dan Graham. Wer also nach der Mammutschau seinen Kaffee im Graham-Pavillon des Café Bravo genossen hat, dem sei der Gang zu Johnen empfohlen (Schillingstraße 31, bis 22. April, Dienstag bis Sonnabend 11 – 18 Uhr, Eröffnung heute 18 – 21 Uhr).

Der 1942 geborene Allrounder hat für die Ausstellung einen neuen Raum im Raum entworfen (Preis auf Anfrage). Der 2,5 Meter hohe Dreieckskörper setzt sich aus knapp 4,5 Meter langen Fassaden zusammen, die eine konkav gewölbte Spiegelfläche flankieren. Aus dem Zusammenspiel von geraden und geschwungenen Ebenen sowie aus den verschiedenen Materialien entstehen Einsichten und Durchsichten, Überlagerungen und Zerrbilder. Graham macht den Betrachter zum Rezipienten und Produzenten, zum Voyeur und Betrachtungsobjekt in einer Person und lädt zu immer neuen Reflexionen über die Eigen- und die Fremdwahrnehmung ein. Zwar wirken die zwischen Skulptur und Architektur angesiedelten Raumkörper auch für sich allein, doch ihre wahre Faszination und Komplexität entfalten sie erst durch den Rezipienten. Das erfährt auch der Betrachter – wenn er sich mitten hinein begibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar