Kultur : Danny in neuer Jacke

H.P. Daniels

Martin Gallop hat ein vielversprechendes Debütalbum veröffentlicht: melodiöser Pop und stille Balladen. Sympathisch unsicher steht der schlaksige Songwriter aus Toronto / Oldenburg im schwarzen Jackett auf der Bühne des Quasimodo. Mit einer kleinen elektrifizierten Campinggitarre, krächzender Stimme und hübschen Songs. Das könnte genügen. Doch Gallop hat eine Band dabei, die seinen feinen Kompositionen eher abträglich ist. Die Rhythmusgruppe kommt selten auf einen gemeinsamen Punkt. Zu nervös und hektisch. Und ein Tastateur, der schlichtweg nervt mit ständiger Knöpfedreherei, uneffektiven Effekten, Gequietsche und Gefiepe.

Ganz anders Dziuks Küche. Danny Dziuk haben wir kürzlich noch als keyboardenden Seitenmann von Stoppok gehört. Doch wieviel besser als Stoppoks etwas biederer Nullachtfuffzehn-Rock ist Dziuks eigene Band. Danny hat eine neue Jacke, eine blaue statt der gewohnten nikotingegilbten weißen Jeansjacke. Sein Schlagzeug spielender Bruder Kulle hat wieder Haare auf dem Kopf, Bassist Mo Jaksch ein neues T-Shirt. Und Hans Rohe mit Frisur und Brille wirkt wie ein Familienvater aus den 50er Jahren - beim Angeln. Bis er die Telecaster umhängt und den Blues aus den Angeln hebt. Die Faust gegen den Gitarrenhals rammt. Und würgt. Und wringt. Die Saiten zieht und zerrt und mit dem Plektrum schabt. Alles im Dienste von Dziuks hervorragenden Songs, seinen immer besser werdenden Interpretationen pointierter Alltagsgeschichten und bezaubernder Liebeslieder. Mit einer Stimme voller Seele und unnachahmlichen Phrasierungen. Wenn er einzelne Wörter festhält, bis es fast schon zu spät ist, und sie im letzten Moment der Melodie hinterherwirft. Blues, R&B, Soul, Country, Funk, Rap, Bebop. In den USA nennt man es alt: Country. Mit deutschen Texten ist es neu. Umwerfend. Magisch. Beglückend.

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