Kultur : Darren Almond

Daniel Völzke

Der Weg in „Nacht und Nebel“, wie Darren Almonds spektakuläre Ausstellung heißt, beginnt mit Fotografien toter Bäume. Norilsk, Sibirien. Einst befand sich hier der größte sowjetische Gulag, nun wird die Gegend beherrscht von der Norilsk Nickel Company, deren Schwefeldioxid-Ausstoß die Wälder zerstört.

Das Thema ist in diesen Bildern abgesteckt: der Schrecken totalitärer Systeme, Erinnerungskultur, neue Totalitarismen. Der Weg durch Hetzlers temporäre Ausstellungsetage in den Osram-Höfen führt vorbei an einem gigantischen Regal. Vier Millionen leere Papierblätter liegen dort säuberlich gestapelt; vier Millionen mal Schweigen. Dahinter stehen zwei Wartehäuschen aus Oswieçim, dem früheren Auschwitz – hinter der nächsten Wand zwölf weitere. Almond hat mit der Stadt die alten Bushaltestellen gegen neue getauscht. Jetzt stehen sie hier, komplett mit Busfahrplan, Tags, zerbeulten Mülleimern. „Muzeum“ steht auf einem Dach. Almond bringt – ähnlich wie Peter Eisenman in seinem Holocaustmahnmal – Unsagbares zum Ausdruck. An einer Wand hängt der Begriff „Terminus“ in Salz gegossen. Das Wort bleibt leer, das Material sprich: Es erinnert an die Salzminen in der Nähe des Konzentrationslagers und schlägt einen Bogen zu den Nickelminen Norilsks. Wieder am Ausgang der Fabrikhallen fällt der Blick auf die Worte „Night and Fog“ an der Wand. Ein Menetekel (bis 14. Juli, Oudenarder Straße 16-20).

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