Kultur : Das Arsenal wird 30 und zeigt ein Ehekrisenprotokoll

Jan Gympel

Seinen 30. Geburtstag feiert im kommenden Monat das Arsenal. Und zugleich gilt es, langsam Abschied zu nehmen. Denn das legendäre Schöneberger Filmkunsthaus, kreativer Nistplatz auch des alljährlich die Berlinale beglückenden Internationalen Forums des Jungen Films, wird zusammen mit seinen Betreibern, den Freunden der Deutschen Kinemathek, im nächsten Jahr in die neue Mitte ziehen - ins (Sony-)Filmhaus am Potsdamer Platz. Was läge da näher, als die heute noch ganz selbstverständliche Gegenwart ein wenig zu virtualisieren und sich schon mal behutsam in die Erinnerungen an die Welserstraße einzuüben? Die von Arsenal-Besuchern mitgestaltete Retrospektive spezieller Erlebnisse, Ereignisse und Meilensteine in der Geschichte dieses Kinos beginnt heute mit Rudolf Thomes wortreichem Ehekrisenprotokoll Made in Germany and USA von 1974, in dem sich die Hauptdarstellerin Karin Thome ihr Geld mit Putzdiensten im Arsenal verdient. In Thomes Film ist auch der vor einigen Jahren gestorbene Arsenal-Mitbegründer Alf Bold zu sehen.

Einer der Kameramänner bei dem Thome-Film war übrigens Michael Ballhaus, der mittlerweile bekanntlich in Hollywood zu Weltruhm gelangt ist. Die Arbeit eines seiner Kollegen präsentiert das Polnische Kulturinstitut in den nächsten Tagen: Sechs Filme, die Witold Adamek etwa unter der Regie von Jerzy Skolimowski, Radoslaw Piwowarski oder Krzysztof Kieslowski fotografiert hat, sind bis Sonntag zu sehen. Zur Vorführung von "Poniedzialek/Montag", einer Geschichte über den Versuch eines jungen Mannes, sein Geld von den Schuldnern seines bankrotten Schuldners einzutreiben, die Adamek auch produziert und inszeniert hat, wird Adamek am Sonnabend anwesend sein.

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