Kultur : Das Auktionshaus gibt der Farbe eine Chance

MK

Es gibt Kunstpublikationen, in denen sehen die Abbildungen besser aus als die Originale. So perfekt arbeitet heute die Technik. Warum also die Chance vergeben, zumal ein Auktionshaus, das Kunst auch an auswärtige Interessenten verkaufen will? Das Haus Jeschke, Greve & Hauff, das am 15. April seine nächste Versteigerung hat, muss hier noch einiges lernen. Die Farbabbildungen im Katalog sind zum Teil derart miserabel, dass sie eine fast abschreckende Wirkung haben. Schade, denn einige Arbeiten verdienen es, näher betrachtet zu werden.

Ludwig Meidner wäre zu nennen, von dem sich ein qualitätvolles Fischstillleben von 1961 im Angebot befindet, mit 5700 Mark moderat geschätzt. Sein 1955 gemaltes Frauenbildnis ist sogar für 2400 Mark zu haben. Heinrich Zille steuert die lavierte Tuschezeichnung einer Hinterhofszene bei, die sich ähnlich als Lithografie in den "Zwanglosen Geschichten und Bildern" findet. Sie kostet 15 000 Mark, beinahe genauso viel wie eines der beliebten späten Landschaftsaquarelle von Erich Heckel, in diesem Fall eine verschneite Bergszenerie. Seltener sind die Ölbilder des nur wenig bekannten Expressionisten Franz Domscheit, der nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin lebte. Interessanter erscheint das expressionistische Bildnis einer "Frau im blauen Mantel" von Albert Schiestl-Arding (Taxe 7000 Mark), das laut Katalog einen Aufkleber der "Galerie Tannhäuser" hat - gemeint ist die berühmte Münchner Galerie Thannhauser, die unter anderem die erste Ausstellung des Blauen Reiter zeigte. Dass die Dargestellte einen blauen Mantel trägt, ist gut zu wissen, denn die Farbe auf der Abbildung ist ein undefinierbares Gemisch aus Grün und Braun.Jeschke, Greve & Hauff, Habsburger Straße 14, Auktion am 15. April, Vorbesichtigung heute 10-16 Uhr und am 10. / 11. April 11-19 Uhr.

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